GGG – Garten, Gemüse und Gewürze (Teil 16) – Weingartenpfirsich

Mit ABC zum Schulbeginn passend starten wir einen weiteren Teil unserer Serie mit den drei G´s mit einer genussvollen, gschmackigen und gesunden Frucht: dem Weingartenpfirsich!

von Franz Lex

Ein Weingartenpfirsich besitzt wertvolle Mengen an Provitamin A, verschiedene B-Vitamine und Vitamin C. In den 1950-er und 1960-er ist ein Weingartenpfirsichbaum noch ein altes Kulturgut in der kleinstrukturierten Landwirtschaft im Burgenland!

In unserem elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit ca. 7 ha Scheibengrund inklusive einiger Waldgrundstücke, von dem wir, Eltern und sechs Kinder, leben (können), stehen Weingartenpfirsichbäume mit weißfleischigen Früchten am Rande des Weingartens. Jahrzehnte vorher wird der Weingarten jährlich zur Blütezeit des Pfirsichbaumes gehauen, d.h., die Erde wird mit großen Hauen grob gelockert, damit Regenwasser leichter in den Boden zu den Wurzeln der Weinstöcke rinnen kann und unnötige Gräser und Kräuter nicht wachsen und dem Boden die Nährstoffe entziehen. Im Laufe der Jahrzehnte sterben aufgrund des hohen Alters immer mehr Weinstöcke ab und so wird ein Großteil des Weingartens in eine Wiese umgewandelt. Am unteren Rand des Weingartens bleiben noch Weinstöcke stehen. Mit ausdauernden Akazien- bzw. Robinienrundlingen wird eine Weinhecke behelfsmäßig gestaltet. Lange Reben finden in benachbarten Apfelbäumen Halt. Eine vor Jahren über dem Misthaufen errichtete, schattenspendende Weinhecke trägt ebenfalls reichlich Früchte. Aus den Weintrauben wird jährlich – wie früher vom Weingarten – im Luftkeller mit einer kleinen, handbetriebenen Obstpresse Traubensaft gewonnen, der im Laufe der nächsten Monate in einem Fass im Erdkeller zum Haustrunk der Marke „Heckenklescher“ oder „Bamkraxler“ heranreift.

Weintrauben und Weingartenpfirsiche wachsen und reifen gemeinsam

Gleichzeitig mit den Weintrauben reifen die saftigen, mittel-großen, grün-rot gefärbten und mit einer leicht herben bis bitter aber angenehm schmeckenden, pelzigen Schale versehenen Weingartenpfirsiche, deren cremefarbenes Fruchtfleisch kräftig-fruchtig und intensiv aromatisch nach echtem Wildpfirsich schmeckt mit einer leicht herben oder angenehmen bitteren und urtypischen Note.

Alte Selbstträger-Uhudler-Weintraubensorte

Gelbfleischige Weingartenpfirsiche

Eine Spezialität nicht nur für zwischendurch

Während der Weinlese und beim Kühe hüten sind die Weingartenpfirsiche eine willkommene kleine Mahlzeit und ein Durstlöscher, obwohl am Beginn der Reifezeit uns so mancher Einwohner im „notzeitigen“ Pfirsich den Appetit verdirbt.

Im Zuge der Mechanisierung und Chemisierung der Landwirtschaft verschwinden ab den 1970-er und 1980-er Jahren aus vielen kleinen landwirtschaftlichen Betrieben im Burgenland die Weingartenpfirsichbäume!

  • Ende der 1960-er Jahre werden in unserer Landwirtschaft mit einigen Waldgrundstücken die für die schweren Feld- und Transportarbeiten zuständigen zwei Kühestärken von 26 Pferdestärken abgelöst: Ein dunkelgrüner 26er Steyr“, der Traktor Steyr T180 mit 26 PS, und andere Maschinen und Geräte übernehmen die mühsamen Arbeiten bei der Feldbestellung, Ernte und Brennholzbeschaffung.
  • Größere Flächen können in kurzer Zeit von wenigen Menschen (die Landflucht tritt ein) bewirtschaftet werden: Der Rest unseres Weingartens wird gerodet, und die Weingartenwiese mit dem „Virhap*“ an beiden Seiten werden gemeinsam mit den beiden Äckern links und rechts zu einem großen Feldstück (Acker) umgewandelt.
  • Als Virhap (Vorhaupt, weil stirnseitig) bezeichnet man die Streifen an den Stirnseiten von Äckern und Wiesen, die nicht umgeackert, sondern nur beweidet oder gemäht werden und auf denen bei der Bestellung der Felder mit Kuhgespann und in weiterer Folge mit Traktor umgedreht wird. In manchen Teilen des Burgenlandes wird der Virhap auch Auniwaundn (ohne zu wenden, nicht umgeackert) genannt.
  • Weingartenpfirsichbäume finden einen neuen Platz im Streuobstgarten in der Nähe unseres Hauses.

Der verstärkte Einsatz chemischer Stoffe . . .

  • Dünger in Form von Stickstoff und Phosphat gleicht Nährstoffmangel im Boden aus,
  • Pestizide, Herbizide und Insektizide schützen die Kulturen vor Unkräuter und Schädlingen und
  • Antibiotika und Vitamine steigern die Vitalität der Tiere –

. . . erhöht die Produktivität in Feld und Stall und belastet die Umwelt.

Die traditionelle Nutzpflanze mit einer jahrtausendealten Geschichte ist tief verwurzelt in der burgenländischen Weinbaukultur.

Nicht nur in den Weinregionen des Burgenlandes wird der sehr robuste und wärmeliebende Weingartenpfirsich weiterhin kultiviert bzw., wo er komplett verschwunden ist, teilweise wieder angepflanzt, sondern auch in vielen kleinen Hausgärten.

Herkunft des Weingartenpfirsiches

Der Pfirsche oder Pfersche, wie der Weingartenpfirsich bzw. Weinbergpfirsich im Volksmund genannt wird, stammt ursprünglich aus China, wo er schon um 2.000 v.Chr. kultiviert wird. Über antike Handelswege gelangen der Baum und seine Frucht über Persien nach Griechenland und in weiterer Folge nach Europa. Die irrtümliche Annahme der Römer, dass der Pfirsich aus Persien stammt, ist auch im wissenschaftlichen Namen des Pfirsichs „prunus persica“ verankert: Prunus (Gattung Steinobst in der Familie der Rosengewächse) und persica (persisch – mittelhochdeutsch phersich, lateinisch persica bzw. persicus für Pfirsich und altgriechisch persikos für persisch und Persis für Persien).

Rot- und gelbfleischige Weingartenpfirsiche haben kleine, weiß-zartrot gefärbte Blüten. 

Römer bringen den Pfirsich mit den ersten Rebstöcken nach Mitteleuropa

Archäologische Funde von Pfirsichsteinen aus der Römerzeit belegen den frühen Anbau des Weingartenpfirsichs in Mitteleuropa. In österreichischen Weingartenordnungen wird der Weingartenpfirsich im Jahr 1749 erstmalig erwähnt. In den Weingärten werden Sämlinge, die aus Kernen wild aufgehen, ausgegraben und an geeigneten Plätzen gepflanzt.

Weißfleischige Weingartenpfirsiche.

Im Laufe der Zeit entwickeln sich verschiedene Bezeichnungen . . .

  • Persischer Apfel: Volkstümliche, historische Übersetzung des botanischen Namens „prunus persica“.
  • Gemeiner Pfirsich: Allgemeine Bezeichnung für den überall kultivierten Pfirsichbaum.
  • Pfirsche: Ein traditioneller Name im deutschsprachigen Raum.
  • Pfersche: Mundartliche Bezeichnung eher in einigen Teilen des Burgenlandes.
  • Weingartenpfirsich: Bezeichnung für robuste Sorten (nicht nur) in Weinbauregionen.

. . . und verschiedene, robuste Sorten

  • Pelziger, weißfleischiger Weingartenpfirsich mit rotem Anflug
  • Weißfleischiger Weingartenpfirsich mit tiefroter Marmorierung
  • Rotfleischer Weingartenpfirsich, auch Blutpfirsich genannt
  • Gelbfleischiger Weingartenpfirsich
  • Weißfleischiger Weingartenpfirsich

in unserem Garten gedeihen alle fünf Sorten der schmackhaften Weingartenpfirsiche. Die Steine der Weingartenpfirsiche kann man gleich nach der Ernte im Garten mit etwas Erde bedecken, weil die Samen bei Aufbewahrung im Haus vertrocknen:

 

Gemeinsame Kultivierung von Weinrebe und Pfirsichbaum hat Tradition

Winzer nutzen die Weingartenpfirsichbäume nicht nur an den Randlagen der Weinberge, sondern auch mittendrin, wo Rebstöcke ausfallen. Da keine Spritzmittel eingesetzt werden und sie neben Schädlingen auch Nützlinge anlocken, leisten sie einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität, womit die natürliche Abwehr im Weingarten gestärkt wird. Der fruchtige und leicht säuerliche Weingartenpfersche ist ein echtes Kulturgut mit intensivem Aroma und wird zu Marmelade, Nektar, Likör und Schnaps verarbeitet und zur Zubereitung von Mehlspeisen verwendet.

Besonderheiten

  • Der Weingartenpfirsich wird „sortenecht“ direkt aus dem Kern (Samen) gezogen.
  • Weingartenpfirsiche sind selbstbefruchtend und benötigen keinen weiteren Baum in der Nachbarschaft, obwohl sie gerne von Honigbienen, Hummeln und anderen Insekten zum Sammeln von Nektar und Pollen besucht werden.
  • Der robuste Baum weist eine hohe Resistenz gegen Blütenfrost, Schädlinge, Mehltau und der gefürchteten Kräuselkrankheit auf.

Mit Weingartenpfirsichen kann man einen köstlichen Kuchen zubereiten

Zutaten

  • 120 g Butter
  • 150 g Zucker
  • 4 Eier
  • 1/8 l Milch
  • 200 g Mehl
  • 1 Kl Backpulver
  • ein wenig Fett
  • halbierte Weingartenpfirsiche

Zubereitung

Butter, Zucker und Eidotter schaumig rühren. Milch und die Hälfte des Mehls dazugeben. Das steif geschlagene Eiweiß und das restliche mit Backpulver vermischte Mehl locker einarbeiten. Die Masse daumendick auf ein befettetes, bemehltes Blech streichen und mit halbierten Früchten mit der Schnittfläche nach oben belegen. Mit einem Zimt/Staubzuckergemisch bestreut eine halbe Stunde im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad backen.

Gutes Gelingen!

 

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Hier geht es noch zu den weiteren Teilen der Serie:

Teil 1: Zwiebel

Teil 2: Paradeiser

Teil 3: Kürbis

Teil 4: Paprika

Teil 5: Karotte & Co

Teil 6: Kohl, Kraut und Co

Teil 7: Bohnen

Teil 8: Blattläuse

Teil 9: Kamille

Teil 10: Bohnenkraut

Teil 11: Oregano

Teil 12: Kürbisgewächse

Teil 13: Die kalte Jahreszeit

Teil 14: Zitronenmelisse

Teil 15: Brennnessel

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