Mitten in der Gruppenspielphase der 23. FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko & USA und am Beginn des Sommers beschäftigen wir uns in unserer nie enden wollenden Serie über die 3Gs nach 3 Goals gegen Jordanien mit einem an den Rändern der Gemüsebeete „gern gesehenen Gewächs“: der Zitronenmelisse.

Von Franz Lex
Die Zitronenmelisse lindert das in „Klosterfrau Melissengeist“ mit weiteren Zutaten so manchen Muskelkater (nicht nur von Fußballern) lindert. Sie ist eine mehrjährige, krautige, ausdauernde und beliebte Gewürz- und Heilpflanze aus der Gattung der Melissen innerhalb der Familie der Lippenblütler!
Der Methusalem unter den Gewürz- und Heilpflanzen
Die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende und nach Zitronen duftende Pflanze bildet Rhizome mit unterirdischen Ausläufern, kann eine Wuchshöhe von mehr als über einen Meter erreichen und wird bis zu 30 Jahre alt. Die Blüten werden vorwiegend von Honigbienen und verschiedenen Hummelarten, aber auch von Schwebfliegen, besucht und bestäubt. Der Gattungsname „Melisse“ bezieht sich auf die Nutzung als Bienenweide (Meli = Honig, Melissa = Honigbiene).

Die Honigbiene steht auf die Melisse.
Eine „wilde Henne“
Die Zitronenmelisse ist betreffend Standort nicht wählerisch, verwildert gerne und keimt in Naturgärten zwischen Polsterstauden und anderen mehrjährigen Pflanzen. Nachdem die abgestorbenen überirdischen Pflanzenteile den Winter über stehen bleiben, verschiedenen Insekten als Winterquartier dienen und erst im Frühjahr abgeschnitten und kompostiert werden, kommen die Samen nach 1,5 bis zwei Jahren mit dem Kompost auf die Gemüsebeete und keimen zwischen Karotten, Petersilie, Salat, Paprika, Tomaten & Co.
Zitronenmelisse als Gewürz- oder Arzneipflanze wird vielfältig verwendet
- Wie zuvor erwähnt wird sie als Bienenweide
- Vor der Blüte befinden sich die meisten Aromastoffe in den Pflanzen.
- Melissentee (frische Blätter mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen) wirkt beruhigend, krampflösend und verdauungsfördernd bei nervlicher Belastung, Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden und wird gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche und bei Gallenleiden und Hautentzündungen eingesetzt.
- Limonade als Durstlöscher aus frischen Blättern, Zitronensaft, einige Scheiben Bio-Zitrone, Zucker und Wasser.
- Sirup (als Getränk zum Aufgießen mit Wasser) aus Blättern, Zitronen, Zucker, Wasser, Einsiedehilfe und Zitronensäure.
- Die Blätter finden als Küchengewürz
- Extrakte aus den Blättern werden zu Kräuterlikören
- Melissenblätter werden zum Aromatisieren von kalten Getränken, Salaten und Saucen sowie Kompotten verwendet.
Manche Insekten und ihre Larven haben die Zitronenmelisse zum Fressen gern!

Die Larve des Grünen Schildkäfers nach der Häutung.

Das Adulttier des Grünen Schildkäfers.

Larve einer Langfühlerschrecke.

Larve einer Kurzfühlerschrecke.
Die Heilwirkung der Zitronenmelisse wird schon in der Antike geschätzt
Vom Mittelmeerraum kommt die Heilpflanze über Spanien, wo sie arabische Völker kultivieren, nach Mitteleuropa, wo Karl der Große (747 bis 814) maßgeblich zur Verbreitung der Zitronenmelisse beiträgt. Um die Versorgung der Bevölkerung und den Anbau von Heilpflanzen zu sichern, erlässt er um das Jahr 800 n. Chr. das Capitulare de villis, eine berühmte Landgüterverordnung.
Darin befiehlt er, dass auf allen seinen königlichen Staatsgütern und in Klostergärten bestimmte Nutzpflanzen und Heilkräuter angebaut werden müssen. Die Melisse wird in dieser Liste explizit angeführt und hält so Einzug in die mitteleuropäische Gartenkultur, da sie besonders für ihre beruhigenden, stimmungsaufhellenden und verdauungsfördernden Eigenschaften geschätzt wird.
Eine Klosterschwester als „Weltmeisterin“ mit Klosterfrau Melissengeist
Die Nonne Maria Clementine Martin, geboren am 05. Mai 1775, tritt als 17-Jährige in das Annunziaten- Kloster Sankt Anna in Coesfeld ein. Im Kloster lernt sie das Mischen von allerlei Heilmittel und das Herstellen eines Destillates aus 13 Heilpflanzen, das ursprünglich Karmelitermönche in Paris produzieren: Das „Ächte Carmeliter-Melissenwasser“, das heute unter dem Namen „Klosterfrau Melissengeist“ (mit 79% Alkoholanteil) bekannt ist.
Nachdem im Jahre 1803 das Kloster aufgelöst wird, steht sie plötzlich auf der Straße und muss für sich allein sorgen. Nach einer jahrelangen Wanderschaft, in der sie durch den Verkauf des Allheilmittels und anderer Eigenmischungen ihren Lebensunterhalt bestreitet, kümmert sie sich im Jahre 1815 in der Schlacht von Waterloo als Krankenpflegerin aufopfernd um die preußischen Soldaten, wofür sie vom preußischen König mit einer jährlichen stattlichen Leibrente von 160 Goldtalern belohnt wird. Damit ist sie finanziell unabhängig und zieht 1825 nach Köln, um zu helfen, zu heilen und im Jahre 1826 am Fuße des Kölner Domes ihr Unternehmen zu gründen, das „Ächtes Spanisches Carmeliter-Melissenwasser“ (bald: „Klosterfrau Melissengeist“) herstellt und vertreibt.
200 Jahre (1826 – 2026) Klosterfrau Melissengeist: Maria Clementine ist eine raffinierte Unternehmerin und im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Salben geschmiert: ein „Pfiffikus“
Um die vielen Konkurrenten auszuschalten, schreibt sie ein Bittgesuch an den König, der es ihr im Jahre 1830 erlaubt, den preußischen Adler, das Wappen des Königreiches Preußen, auf jedem Etikett der Flasche „Klosterfrau Melissengeist“ zu drucken. Das weltweit bekanntwerdende Unternehmen heißt seit dem Jahre 2006 „Klosterfrau Healthcare Group“ und beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter.
Karmelitengeist: Der Vorläufer des Melissengeistes
Die Geschichte des Karmelitengeist reicht bis in das Jahr 1200 zurück. Alles beginnt auf dem Berg Karmel in Palästina, Israel. Angewiesen auf natürliche Heilmittel, versuchen Einsiedlermönche der Natur ihre gesundheitsfördernden Kräfte zu entlocken. Dabei stoßen sie auf verschiedene Kräuter, Sträucher und Bäume, dessen Blüten, Wurzeln, Rinden und Samen sich positiv auf das leibliche und seelische Wohl auswirken. Aus einer Anzahl an Kräutern und Gewürzen destillieren sie schließlich das sogenannte „Karmelwasser“.
Im 17. Jahrhundert gelingt es Karmelitenapotheker Frater Camillus durch die Zugabe von weiteren Kräutern genau die Zusammensetzung zu finden, von dessen wohltuender Wirkung bis heute Millionen von Menschen profitieren.

Der echte Karmeliten-Geist.
Unter dem Namen „Ächter Karmelitengeist von den barfüßigen Carmelitern“ wird sein Destillat weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Seit dem Jahr 1751 wird die Mischung aus 26 ausgewählten, altbewährten Kräutern (darunter auch die Zitronenmelisse) und Gewürzen nach einer geheimen Rezeptur im Wiener Karmelitenkloster zubereitet. Die Fertigstellung wird von der Fa. Gallhuber, A-2344 Maria Enzersdorf, durchgeführt.
Zutaten für Melissen-Sirup
- 25 Zitronenmelissestängel mit Blättern
- 100 g Zitronensäure
- 3 Biozitronen in Scheiben geschnitten
- 3 l Wasser
- 3 kg Zucker
- 1 Pkg Einsiedehilfe
Alle Zutaten in einem Behälter gut durchmischen, 24 Stunden einwirken lassen, danach abseihen und in kleine Flaschen füllen.

Der fertige Zitronenmelissen-Sirup.
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Hier geht es noch zu den weiteren Teilen der Serie:
Teil 1: Zwiebel
Teil 2: Paradeiser
Teil 3: Kürbis
Teil 4: Paprika
Teil 5: Karotte & Co
Teil 6: Kohl, Kraut und Co
Teil 7: Bohnen
Teil 8: Blattläuse
Teil 9: Kamille
Teil 10: Bohnenkraut
Teil 11: Oregano
Teil 12: Kürbisgewächse
Teil 13: Die kalte Jahreszeit
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