Mitten in der heißen Jahreszeit beschäftigen wir uns in unserer Serie mit den 3Gs mit „brennenden“ Pflanzen mit 3Ns, die bei uns überall anzutreffen sind: Die Große und die Kleine BreNNNessel.

Von Franz Lex
Brennnesseln, egal ob Große oder Kleine, sind mehrjährige, krautige, ausdauernde und „beliebte“ Gemüse- und Heilpflanzen aus der Gattung der Brennnesseln innerhalb der Familie der Brennnesselgewächse.
In Stielen und Blättern eingebaute Röhren wie Injektionsnadeln
Sehr bekannt und wenig beliebt sind Brennnesseln wegen der schmerzhaften Schwellungen auf der Haut, die nach Berührung der mit Brennhaaren versehenen Blätter und Stiele entstehen. Die Brennflüssigkeit der Kleinen Brennnessel ist wesentlich schmerzhafter als die der Großen Brennnessel. Brennhaare befinden sich überwiegend auf der Oberseite der Blätter und sind lange Röhren, deren Wände im oberen Teil durch eingelagerte Kieselsäure hart und spröde wie Glas und mit einer Sollbruchstelle versehen sind. Schon bei leichten Berührungen stechen die Spitzen in die Haut, brechen ab und hinterlassen Bruchstellen, die den Spitzen von Injektionsnadeln ähneln, durch die der im unteren Teil eingelagerte ameisensäurehaltige Inhalt mit Druck in die Wunde gespritzt wird. Nach sofortigen, brennenden Schmerzen entstehen die mit Brennen und/oder Juckreiz verbundenen Schwellungen. Da fast alle Brennhaare nach oben gerichtet sind, kann man Brennnesselpflanzen mit der bloßen Hand von unten nach oben gleitend anfassen und ausreißen.
Trotz der Brennhaare als Schutzmechanismus gegen Fressfeinde sind Brennnesselblätter ein wertvolles Nahrungsmittel für viele Tiere und auch Nahrung und Heilmittel für Menschen
Von ungefähr 50 Schmetterlingsarten sind für deren Raupen Brennnesseln die Futterpflanzen. Raupen einiger Schmetterlingsarten, wie Admiral, Kleiner Fuchs, Landkärtchen, Tagpfauenauge u.a., fressen nur Brennnesseln! Man sieht kaum Brennnesseln ohne Fraßspuren. Auch Blattläuse saugen an Brennnesseln.

Die Raupen des Landkärtchens (Schmetterling) lieben Brennnesseln.

Ein Tagpfauenauge.

Blattläuse auf Brennnesselblatt.
Aufgrund der vielen Nährstoffe, wie Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Vitamine A und C, landen Brennnesseln auch im Kochtopf und sind als Spinat und in Suppen sehr begehrt. Neben den Blättern (Triebspitzen) kann man auch die Samen der Brennnesseln verzehren, die unter anderem Vitamin E enthalten.
Die vielseitige und schon in der Antike beschriebene Heilpflanze wirkt entzündungshemmend, harntreibend, schmerzstillend und stoffwechselanregend und wird unter anderem bei Verdauungsproblemen, Harnwegsinfektionen, Prostatabeschwerden, Rheuma, Gicht und Arthrose eingesetzt.
Brennnessel und Taubnessel sind nicht verwandt
Was eigentlich logisch klingt ist nicht der Fall, denn Taubnesseln gehören mit ihren bunten Blüten zur Familie der Lippenblütler und haben keine Brennhaare.
Brennnesseln und Taubnesseln haben aber viele Gemeinsamkeiten:
Beide Pflanzen
- bevorzugen schattige Standorte und feuchte Böden mit hohem Stickstoffanteil,
- gehören zu den Zeigerpflanzen für Stickstoff,
- vermehren sich durch Wurzelausläufer (Rhizome) und Samen,
- sehen sehr ähnlich aus, vor allem die grünen Blätter,
- sind fast überall anzutreffen,
- wachsen mehrere Jahre am gleichen Standort,
- sind genießbar (Brennnesselspinat) und
- werden als Heilpflanzen eingesetzt. Taubnesseltee wird bei
- Atemwegserkrankungen verwendet.
Der gute alte Brennnesselsack ist ein historisches Naturprodukt
In meiner Kindheit und Jugendzeit und auch noch viele Jahre danach werden Säcke aus Brennnesselfasern zum Apfelpflücken, Transportieren von Äpfeln, Kartoffel, Zwiebeln und Krautköpfen und Aufbewahren von Ölkürbiskernen im Luftkeller verwendet. In Brennnesselsäcken werden auch das Getreide und die Kürbiskerne zur Mühle gebracht.
Produkte aus Brennnesselfasern blicken auf eine Jahrtausende alte Tradition in Europa zurück. Archäologische Funde belegen, dass bereits in der Bronzezeit Textilien aus Brennnesseln gewebt werden. Im Mittelalter werden in europäischen Klöstern Brennnesseln verarbeitet. Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert entstehen in Mitteleuropa einige Betriebe, die Textilien, Säcke, Seile, Segeltücher und Schiffstaue aus Brennnesselfasern herstellen. Die deutsche Armee produziert in den Weltkriegen aus Brennnesseln Kleidung, Zelte und Rucksäcke.
Praktische und „brennende“ Tipps
- Lassen Sie in Ihrem Garten eine größere Fläche als wildes Eck auch für Brennnesseln stehen, damit genug Pflanzen
- für die Raupen der Schmetterlinge,
- zum Ansetzen von Brennnessseljauche und
- zur Zubereitung von Brennnesselspinat und Brennnesselsuppen vorhanden sind.
- Brennnesseljauche ist ein kostenloser Biodünger: Zum Ansetzen einer Brennnesseljauche im Halbschatten wird ein gut verschließbarer Behälter mit Brennnesseln vollgestopft, mit Wasser gefüllt und verschlossen. Nach ca. 14 Tagen bzw. wenn kein Schaum und keine Bläschen an der Oberfläche sich befinden, ist die Jauche reif und kann im Verhältnis von 1:10 mit Wasser verdünnt zum Düngen von Starkzehrern, wie Gurken, Zucchini, Tomaten, Paprika und Kohlpflanzen, einmal in der Woche verwendet werden. Die fasrigen Reste können kompostiert werden, bevor wieder die nächste Jauche angesetzt wird. (Jauchen können auch mit Beinwell und Schachtelhalm angesetzt werden.)
- Urgesteinsmehl soll in einem natürlichen Garten nicht verwendet werden, denn die Herstellung (Abbau durch Sprengung und Abtrag in Steinbrüchen, hoher Energieverbrauch beim Mahlen), Verpackung und Handel (lange Transportwege) sind arbeitsintensive und energieaufwändige Maßnahmen, die nicht im Sinne der Natur sind, da zusätzlich noch Landschaften, Ökosysteme und Lebensräume zerstört werden und das Klima durch CO2-Ausstoß belastet wird!
- Brennnesseljauche gegen Blattläuse: Diese arbeitsintensive und zeitaufwändige Methode der Blattlausbekämpfung kann man sich sparen, denn in einem natürlichen Garten gibt es genug Gegenspieler
- (Marienkäfer und deren Larven, Ohrwürmer, Florfliegen- und Schwebfliegenlarven, Wespen), die die Blattläuse in Schach halten.

Jauche: Gut verschließbare Behälter vermeiden die Geruchsbelästigung.

Spinat (Brennnesseln können auch mit Bärlauch, Löwenzahn, Giersch etc. zubereitet werden, gekochte Kartoffel zum Binden) mit Kartoffellaibchen (in der Auflaufform gebacken) und Spiegelei.
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Hier geht es noch zu den weiteren Teilen der Serie:
Teil 1: Zwiebel
Teil 2: Paradeiser
Teil 3: Kürbis
Teil 4: Paprika
Teil 5: Karotte & Co
Teil 6: Kohl, Kraut und Co
Teil 7: Bohnen
Teil 8: Blattläuse
Teil 9: Kamille
Teil 10: Bohnenkraut
Teil 11: Oregano
Teil 12: Kürbisgewächse
Teil 13: Die kalte Jahreszeit
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