Neobiota: Burgenlands neue Mitbewohner (Teil VIII) – der asiatische Marienkäfer

Weiter geht es mit unseren Neobiota. Diesmal stellen wir wieder ein Tier vor, und zwar den asiatischen Marienkäfer oder auch Harlekin-Marienkäfer, der einen regelrechten Siegeszug im Burgenland in kürzester Zeit angetreten hat.

In diesem Artikel geht es um eine biologische Invasion, die man auf den ersten Blick gar nicht so wahr nimmt. Denn Marienkäfer ist schließlich Marienkäfer und kaum einer fragt sich ernsthaft im Garten, warum der eine Marienkäfer jetzt heller ist als der andere oder viel mehr Punkte hat. Von der Körperform sehen die asiatischen Verwandten ja gleich aus wie die heimischen Arten, sind vielleicht etwas größer. Während der Zweipunktmarienkäfer (Adalia bipunctata) oder der Siebenpunktmarienkäfer (Coccinella septempunctata), die Anzahl der Punkte auf den Flügeldecken ist artnamensgebend, über die letzten Jahrhunderte die heimischen Lande dominiert hat, tritt sein asiatischer Verwandter innerhalb kürzester Zeit den Siegeszug durch Europa an.

Unterscheidung zwischen heimischen und asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis).

Als einfache Grundregel gilt: 2 oder 7 schwarze Punkte auf den Flügeldecken: heimische Art. 18 oder 19 Punkte: asiatischer Marienkäfer. Allerdings kann die Zahl der Punkte und die Färbung beim asiatischen Marienkäfer stark variieren, weshalb die Bestimmung oft nicht ganz leicht ist. Die Anzahl der schwarzen Punkte lässt übrigens wie oft vermutet nicht auf das Lebensalter des Käfers schließen!

Der asiatische Marienkäfer ist manchmal auch etwas weniger deutlich rot gefärbt oder die Flügeldecke ist schwarz. Dieses unterschiedliche Erscheinungsbild hat ihm auch den Namen Harlekin-Marienkäfer eingebracht.

So vielfältig gefärbt ist der Harlekin-Marienkäfer: von schwarz gefärbt mit roten punkten (links), über orange mit blasschwarzen Punkten zu dunkelrot gefärbt mit weißen Punkten.

Nützling oder Schädling?

 Darüber scheiden sich die Geister. Der asiatische Marienkäfer wurde Ende des 20. nach Europa gebracht. An und für sich war das ja eine gute Idee, denn der asiatische Marienkäfer vertilgt rund 5 mal so viel Blattläuse wie seine europäischen Verwandten, rund 250 Stück pro Tag. Freilich ein enormer Vorteil bei der Blattlausbekämpfung. Was damals (so lange ist das im Übrigen noch nicht her) jedoch niemand bedacht hat, waren die Auswirkungen auf die freie Wildbahn. Denn wie so oft ist auch der asiatische Marienkäfer ganz fies aus den Glashäusern entwischt. 2001 wurde er erstmals in Belgien nachgewiesen, dann in Deutschland und heute, etwa zwanzig Jahre später eh schon in ganz Europa. Diese rasante Verbreitung ist sicherlich bemerkenswert, die ökologischen Folgen lassen sich nur ganz schwer abschätzen, denn einen klitzekleinen Haken hat die Erfolgsgeschichte asiatischer Marienkäfer leider: Sind die Blattläuse nämlich einmal aufgegessen, macht sich unser asiatischer Vielfraß über die Larven der heimischen Marienkäfer, Schmetterlinge und Gallmücken her. Deshalb wird befürchtet, dass der Harlekin-Marienkäfer unsere heimischen Marienkäferarten langfristig verdrängen könnte.

Die Larve des asiatischen Marienkäfers (erkennbar an der orangen Färbung an den Seiten) ist eine echte Fressmaschine.

Wie geht es weiter?

 

Wir sollten uns an die Präsenz des asiatischen Marienkäfers gewöhnen, denn sonst kann man nicht viel tun. Er hat praktisch keinen natürlichen Feind, denn seine Hämolymphe, also das Blut des Käfers, schmeckt schlecht und macht ihn praktisch für Vögel ungenießbar. Diese Eigenschaft kann auch zu einem ernsthaften Problem für die heimischen Winzer werden. Denn der Käfer frisst, wenn er mal alle Blattläuse verspeist hat, auch Weintrauben. Rund 5 Individuen reichen pro Kilogramm Weintrauben aus, um die Maische zu kontaminieren und den Geschmack des Weines zu beeinflussen. Also erfreuen wir uns besser des vielfältigen Erscheinungsbildes dieses schönen Tieres und hoffen, dass er uns viel Glück bringt…

 

Weiterführende Links zum Thema:

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Hier geht es zu den anderen Teilen der Serie

Teil I

Teil II

Teil III

Teil IV

Teil V

Teil VI

Teil VII

 

Wie geht es euch mit der Marienkäferinvasion? Findet man unsere einheimischen Käfer noch oder ist der asiatische Verwandte vorherrschend? Teilt uns eure Erfahrungen in den Kommentaren mit!

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