Während wir im ersten Teil auf die historischen Vorläufer der heutigen Esterhazy Betriebe blickten, nehmen wir nun die jüngste Unternehmensgeschichte und den Status quo dieses breit aufgestellten burgenländischen Leitbetriebs unter die Lupe.
Von Clemens Faustenhammer
Am Anfang der Esterhazy Betriebe GmbH steht die Überführung des historischen Erbes und der Besitztümer in drei unterschiedliche Stiftungen. Bis 1938 war das Eigentum der Familie Esterházy in Form eines Fideikommisses geregelt, also eines unteilbaren Vermögensbestands, den das jeweilige Familienoberhaupt verwaltete. Etwaige Veräußerungen von Vermögensteilen waren nur auf Beschluss des Familienrates möglich.
Die drei Stiftungen
Nach dem Tod von Paul Esterházy im Jahr 1989 wurde seine Witwe Melinda Alleinerbin. In seiner letztwilligen Verfügung hatte Paul ihr aufgetragen, den Bestand des Vermögens auf Dauer zu sichern. Über jene Vermögensteile, die nie Teil des familiären Fideikommisses gewesen waren, verfügte seine Witwe in den Folgejahren frei: Einzig das Gut Edelstetten in Bayrisch-Schwaben liegend ging im Rahmen einer Schenkung Melindas an Paul-Anton Esterházy, den heutigen Familiensprecher. Das Palais Esterházy in der Wiener Innenstadt wurde Anfang der 1990er-Jahre an das damalige Bankinstitut Creditanstalt, heute Teil der italienischen UniCredit Group, verkauft.
Quelle: offizielle Firmenwebsite
Nachdem 1993 das Privatstiftungsgesetz in Kraft getreten war, brachte Melinda das frühere Fideikommiss-Vermögen ab 1994 schrittweise in drei österreichische Privatstiftungen ein. Diesen drei unauflöslichen Stiftungen übertrug sie das historische Erbe. In den Stiftungsurkunden wurde ursprünglich ausdrücklich auf das Fideikommiss Bezug genommen und ein Familienrat als Kontrollorgan vorgesehen. Damit war nicht nur der Fortbestand rechtlich gesichert, sondern auch die Unteilbarkeit des Besitztums. Die Erträge dienen der Bewahrung und Aufwertung historischer Bauten. Ein weiterer Wunsch der Stifterin war es, die fürstlichen Sammlungen und Kulturgüter zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Gründung der Esterhazy Betriebe GmbH
Nachdem sich Melinda Esterházy 2002 aus dem operativen Geschäft zurückzogen hatte, übernahm ihr Neffe Stefan Ottrubay, ein promovierter Jurist mit internationaler Managementerfahrung, die Leitung der wirtschaftlichen Belange.
Um das in den Stiftungen enthaltene Vermögen nach den Vorstellungen der neuen Leitung verwalten zu können, wurde im Februar 2002 eine bestehende GmbH übernommen. Sie wurde in Esterhazy Betriebe GmbH (EBG) umfirmiert, und die Betriebe der esterházyschen Domäne wurden in sie eingebracht. Nach dem Tod Melinda Esterházys im Jahr 2014 wurden die verbleibenden Geschäftsanteile an der EBG per Einbringungsvertrag auf die Domänen Privatstiftung übertragen.
Die fünf Geschäftsfelder
Heute setzt sich das Unternehmen aus fünf Geschäftsfeldern zusammen:
- PANNATURA: Im Bereich des Geschäftsfeldes PANNATURA sind Forst- und Landwirtschaft sowie Naturschutz zusammengefasst. Bereits vor mehr als 20 Jahren wurden die Ackerflächen auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Die produzierten Nahrungsmittel sind unter den Marken „Bio-Landgut Esterhazy“ und „Esterhazy Wildspezialitäten“ erhältlich.
- Weingut: Das Weingut Esterházy in Trausdorf bewirtschaftet seine insgesamt 65 Hektar seit 2019 biologisch. Die Weingärten liegen im Umkreis von zehn Kilometern um das Weingut in den Ortschaften St. Margarethen, Großhöflein, Rust und St. Georgen.
- Hospitality: Mit dem 2022 eröffneten 4-Sterne-Superior-Hotel Galántha in Eisenstadt, dem erweiterten Boutique-Hotel „Zum Oberjäger“ in Lackenbach und dem ausgebauten Seebad Breitenbrunn umfasst der Bereich Hospitality wichtige Tourismusstandorte im Burgenland.
Quelle: Nachhaltigkeitsbericht 2019-2021, S. 97
- Immobilien: Neben Neubauprojekten befasst sich der Bereich mit der Verwaltung, Aufwertung und Sanierung von Freizeitanlagen, Stadtimmobilien und historischen Großanlangen.
- Tourismus, Kultur und Veranstaltungen: Zum Bereich Tourismus, Kultur und Veranstaltungen gehören die geschichtsträchtigen Gebäude, die Kunstsammlungen und die Kulturveranstaltungen. Dazu zählen zahlreiche Ausstellungen und Konzerte sowie Festivals wie die Oper im Steinbruch und das 2017 gestartete HERBSTGOLD-Festival.
Entsprechend der dezentralen Unternehmensstruktur sind Entscheidungen und Verantwortung in allen Bereichen auf mehrere Personen und Abteilungen verteilt. Hinzu kommen die zentralen Abteilungen Finanzen, Personal, Recht, IT und Kommunikation. Die Leitung obliegt dem Vorstand der jeweiligen Stiftung. Die Esterhazy Privatstiftung, die Domänen Privatstiftung und die F. E. Familien-Privatstiftung Eisenstadt sind eigenständige juristische Personen.
Zahlen und Daten
Laut dem Nachhaltigkeitsbericht 2019–2021 konnte Esterhazy beim Umsatz im Geschäftsjahr 2021 an die positive Entwicklung des Vorjahres anknüpfen. Trotz unterschiedlichster Herausforderungen im Zuge der Corona-Pandemie erwirtschafteten die Esterhazy Betriebe einen Umsatz von insgesamt 57,5 Millionen Euro. Das waren um 0,2 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Die größten Beiträge zum Gesamtergebnis von 11,4 Mio. Euro (2020: 14,3 Mio. Euro) lieferten traditionell der Immobilienbereich mit 6,4 Mio. Euro und PANNATURA mit rund 5 Mio. Euro. Ins Auge fallen der deutlich gestiegene Personalaufwand (von 20,6 auf 23,0 Mio. Euro11) sowie die höheren Investitionen in das Anlagevermögen (von 5,6 auf 8,0 Mio. Euro).
Quelle: Nachhaltigkeitsbericht 2019-2021, S. 118
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Referenzen zu verwendeten Medien:
- Beitragsfoto Schloss Esterházy: Günter Nikles
Hier die Links zu den anderen Artikeln der Serie:
- Teil 1 – Burgenlands Unternehmen – eine Zeitreise in mehreren Teilen
- Teil 2 – Die HITIAG in Neufeld an der Leitha
- Teil 3 – Neudoerfler Möbel vom Familien- zum österreichischen Leitbetrieb
- Teil 4 – Vossen aus Jennersdorf als Udo Jürgens Markenzeichen
- Teil 5 – Coca-Cola HBC und Römerquelle in Edelstal
- Teil 6 – Braun Lockenhaus seit 101 Jahren akribische Handwerkstechnik
- Teil 7 – Das historische Erbe der Esterhazy Betriebe (Teil 1)





