Finale Bestandsaufnahme zur Situation im Südburgenland (5)

Den fünften und letzten Teil zur Analyse der Ist-Situation im Südburgenland schließen wir mit dem Thema Naturschutz ab und ziehen ein kurzes Fazit.

Südburgenland Analyse

Naturschutz im (Süd-)Burgenland

… existiert offiziell noch gar nicht so lange. Denn gesetzlich verankert ist der Naturschutz im Burgenland erst 1990 mit dem Burgenländischen Naturschutz- und Landschaftspflegegesetz worden. Wahrscheinlich auch als Vorgriff auf die Gründung des Nationalparks Neusiedlersee – Seewinkel im Jahr 1992. Bevor wir uns nun das Südburgenland näher anschauen, zuerst  eine kleine Einführung:

Rund ein Drittel der Fläche des Burgenlandes steht unter Naturschutz. Das wäre mal der einfache Teil. Kompliziert wird’s aber mit den verschiedenen Schutzkategorien, in die ein Naturschutzgebiet gegliedert sein kann. Das reicht von Europaschutzgebieten, wo Tiere, Pflanzen und Lebensräume von europäischer Bedeutung, geschützt sind, über Naturschutzgebiete, die quasi von landesweiter Bedeutung sind, bis hin zu den sechs Naturparks (die gleichzeitig auch Landschaftsschutzgebiete sind).

 

Europaschutzgebiete im Südburgenland

In den drei südlichen Bezirken gibt es drei Europaschutzgebiete (oder auch Natura2000-Gebiete genannt), die man wahrscheinlich als Durchschnittssüdburgenländer/in bisher gar nicht so sehr  wahrgenommen hat. Im Norden des Oberwarter Bezirks (und quasi an den Südhängen des Geschriebensteins) befindet sich das „Europaschutzgebiet Bernstein-Lockenhaus-Rechnitz“ (Nummer 10 auf der Karte), eine ausgedehnte geschlossene Waldlandschaft. Ganz unterschiedlich dazu das „Europaschutzgebiet Lafnitztal„, wo die Lafnitz zum letzten unregulierten Fluss des Burgenlandes zählt (Nummer 12 auf der Karte). Dazu später einmal mehr in unserer Serie Die Flüsse des Burgenlandes. Das dritte Europaschutzgebiet im Süden ist das „Südburgenländische Hügel- und Terrassenland“, das sich westlich der Pinka auf die Bezirke Oberwart und Güssing aufteilt. Eine nähere Recherche führte leider ins Nichts, wie ein Klick auf den obenstehenden Link bald verdeutlicht 😉.

Natura 2000 Südburgenland

Europaschutzgebiete im Südburgenland (Quelle: burgenland.at)

 

Naturschutzgebiete im Südburgenland

Die Naturschutzgebiete im (Süd-)Burgenland zeichnen sich – so die Beschreibung der Homepage – „durch völlige oder weitgehende Ursprünglichkeit aus“. Im Südburgenland gibt es rund eine Handvoll Naturschutzgebiete (davon leider keines im Bezirk Jennersdorf), wovon wahrscheinlich die Schachblumenwiesen in Heiligenbrunn das bekannteste bzw. wohl auch durch den dortigen Naturpark das beste „touristisch erschlossene“ Schutzgebiet ist.

Naturschutz

Tafel, die auf das Naturschutzgebiet hinweist

Die Naturschutzgebiete im Südburgenland schlummern – bis auf die Inszenierung der Schachblumenwiesen in Heiligenbrunn als Naturerlebnisse – ein bisschen im Dornröschenschlaf. Aus Naturschutzsicht ist das sicherlich zu begrüßen, denn dann kommt auch keiner auf sonderbare Ideen wie diese hier.

 

Naturparks im Südburgenland

Im Südburgenland gibt es drei, auf die Bezirke verteilte, Naturparks (die gleichzeitig auch Landschaftsschutzgebiete sind): In Oberwart den „Naturpark Geschriebenstein“ in Güssing den „Naturpark Weinidylle“ und in Jennersdorf den „Naturpark Raab“. Bei den Naturparks steht weniger der eigentlich Schutz der Natur im Vordergrund, sondern eher die Attraktivierung als Tourismusdestination durch „Inszenierung der Naturerlebnisse“, wie ein Blick in die aktuelle Erlebnisbroschüre zeigt.

 

Vom Versuch eines Fazits

Im Rahmen unserer Serie starteten wir den Versuch etwas tiefer in die Materie einzutauchen und den einzelnen Aspekten Arbeit, Demographie, Wohnen, Tourismus, Bildung, Gesundheit und Mobilität den erforderlichen Spielraum für eine Analyse einzuräumen. Nun sind all diese Faktoren nicht unbedingt zum Positiven für das Südburgenland ausgefallen, manchmal bestenfalls durchschnittlich im Vergleich zu den Bezirken nördlich des Sieggrabener Sattels. Es wirkt dann – subjektive Wahrnehmung in der reinsten Form – doch ambivalent, wenn im Berufsumfeld oder Bekanntenkreis von der Einzigartigkeit, Schönheit und/oder Ruhe südlich des Geschriebensteins erzählt wird. Zumindest enthält dieses Bild einen ordentlichen Farbtupfer Verklärung, die selbstverständlich aus der Perspektive eines Besuchers die Lebensrealität der Hiesigen komplett ausblendet. Woher auch wissen, wenn nicht selbst erlebt ist dabei ein berechtigter Einwand.

Aus unserer Sicht machen es gerade diese oftmals strapazierten „weichen“ Faktoren aus, um die Besonderheiten dieses Landstreifens im Osten Österreichs prägnant zu charakterisieren. Ruhe, Abgeschiedenheit, Entschleunigung, Überschaubarkeit, dörfliche Gemeinschaft (optional, muss ja nicht unbedingt sein), mehr Grün- statt Wohnraum, familiäres Umfeld. Vielleicht tun wir gut daran, hier nicht unbedingt eine Quantifizierung durch Umfragen à la „wie zufrieden fühlen Sie sich an Ihrem Wohnort“ anzustrengen. Die Messung von Lebenszufriedenheit schießt dann doch über das Ziel hinaus und stellt auch die Wissenschaft vor Herausforderungen. Denn hier spielen die harten – oder besser – materiellen Faktoren, die wir nach unserem Verständnis ausreichend beleuchtet haben, wieder eine wesentliche Rolle.

Individuelles, subjektives Wohlbefinden in Form von Lebensqualität ist ein hohes Gut. Gleichwohl sich die schicken Kellerstöckl am Csaterberg immer mehr zum touristisch ausgeweideten Sommersehnsuchtsort transformieren, hat es ein, unsererseits empfehlenswerter, vor Kurzem im Der Standard erschienener Beitrag wohl am treffendsten ausgedrückt und mit diesen Worten wollen wir diese Serie auch abschließen:

Je weiter wir in den Süden kommen, desto eher drängt sich der Wunsch auf, hierzubleiben. Hektik sucht man hier vergebens. Sie dürfte zwischen einem der unzähligen Hügel verlorengegangen sein.

 

Wie hat euch unsere Analyse zur Situation im Südburgenland gefallen? Teilt uns gerne eure Meinung mit einem Kommentar mit!

Zum Nachlesen:
👉 Teil 3: Bildung und Gesundheit im Fokus
👉 Teil 4: Arbeit und Wohnen im Fokus
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