Wo Totholz ist, ist auch Leben – zum Bau einer Benjeshecke

Unter dem Motto: Wertloses sinnvoll für die Natur verwenden, wollen wir zeigen, wie man eine Totholz-Hecke, oder auch Benjeshecke (nach Hermann Benjes benannt) anlegt.

Von Franz Lex

Wohin mit dem Zeug? Diese Frage hört man oft gerade um die Osterzeit, wenn die Obstbäume, Weinhecken und Ziersträucher geschnitten werden und die abgetragenen Himbeerruten und Brombeersträucher zu entsorgen sind, da das Abbrennen dieser Materialien absolut verboten ist; auch nicht als Osterfeuer und Sonnwendfeuer (Verbesserung der Luftqualität)! Während Grünschnitt und Laub unproblematisch kompostiert und auch zum Mulchen im Küchengarten verwendet werden, sind die Äste, Zweige, Reben, Ruten, Sträucher und Stängel verblühter Stauden und Gräser, die im Jahr davor noch wertvolle Blüten und Früchte tragen, sinnloses Zeug.

Das Anlegen einer Totholzhecke bringt viele Vorteile

Auf einem idealen Platz im Garten als ein weiteres Gestaltungselement, als Sichtschutz in der Nähe des Komposthaufens oder als natürliche Grenze bietet eine Totholzhecke vielen Tieren, wie Vögeln, Reptilien, Amphibien, Kleinsäugern, Insekten, Spinnen und Kleinstlebewesen wertvolle Rückzugsgebiete. Es entsteht wichtiger Lebensraum, Jagdrevier und lebensnotwendige Überwinterungsmöglichkeit für praktisch alles, was zwei, vier oder mehr Beine hat. Außerdem sorgt diese Vielfalt auch für das natürliche Gleichgewicht im Garten. Einige Vogelarten wie z.B. Zaunkönig und Rotkehlchen nutzen diese dichte Hecke gerne als Nistmöglichkeit.

Wenn sich Käferlarven im Holz entwickeln, sind Schlupfwespen als Parasiten auch Stammgäste in der Hecke, die mit ihren Fühlern diese Larven orten und den langen Legestachel ins Holz treiben, um auf der Larve ein Ei abzulegen.

Der Bau der Benjeshecke: Mit k(l)einem Budget kann man Großes bewirken

Im Abstand von ca. einem Meter werden in zwei Reihen angespitzte stärkere Obstbaumäste, dünnere Stämme oder Akazienstecken (Neophytenbekämpfung) mit einem Handfäustl als stabile Stützen in die Erde geschlagen. Es müssen keine teuren Pfähle aus dem Baumarkt sein! Das Befüllen beginnt mit gröberen Ästen, die nicht zu schnell verrotten und zugleich Igeln einen idealen Lebensraum bieten. Darauf wird abwechselnd dünnes und stärkeres Material geschichtet, das ab und zu festgedrückt wird. Mit längeren elastischen Trieben und Astgabeln können die Stützen miteingeflochten werden, um dem Ganzen mehr Stabilität zu geben. Die von Misteln befallenen Obstbaumäste können ohne Bedenken mitverarbeitet werden. Himbeerruten und Brombeersträucher werden gerne von Wildbienen als Nisthilfen angenommen, indem sie das Mark entfernen und die so entstehenden Hülsen als Brutröhren verwenden. Weitere Nisthilfen für Wildbienen sind die Stängel verblühter Stauden und Gräser, die nicht auf dem Komposthaufen, sondern in der Hecke „richtig liegen“. Weinreben, die frisch geschnitten gerne anwachsen, und die genannten Nisthilfen sollten eher im oberen Bereich der Hecke angesiedelt sein. Den Abschluss bilden starke Äste und morsche Stämme, um dem Ganzen das dementsprechende „Gewicht“ zu verleihen.

 

Zuerst werden die Pflöcke eingeschlagen

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