Die Flüsse des Burgenlandes – Teil 2

Weiter geht’s mit unserer Serie über die Flüsse des Burgenlandes. Diesmal beschäftigen wir uns mit Einzugsgebieten und erzählen die Geschichte von der unerfüllten Liebe am Doiberbach.

 

Im ersten Teil dieser Serie haben wir uns mit der 4-dimensionalen Wirkweise unserer Flüsse beschäftigt. Nun wollen wir uns etwas konkreter auf das Burgenland beziehen und die allgemeine Lage der Flüsse bei uns beschreiben.

Ein Fluss formt seine Region – eine Region formt ihren Fluss

Was so pathetisch klingt, ist in Wirklichkeit eine einfache Schlussfolgerung: Klima, Geologie, Größe und Form des Einzugsgebietes sind dafür verantwortlich wie, mit wie viel Wasser, wann und wohin unsere Flüsse fließen. Diese Mixtur sorgt dafür, dass die burgenländischen Flüsse auf den ersten Blick ähnlich wirken, weil unser Bundesland von der Größe her überschaubar ist. Tatsächlich gibt es aber klimatische Unterschiede etwa zwischen dem Nordburgenland (pannonisch) und dem Südburgenland (illyrisch). Was auch messbare Unterschiede in Niederschlag und Temperatur bedeutet. So regnet es im Norden beispielsweise durchschnittlich weniger als im Süden. Durch diese ständige Veränderung (abhängig von den oben beschriebenen Einflussfaktoren), der unsere Flüsse unterworfen sind, haben sie unsere Landschaft also maßgeblich geprägt.

Die größte Veränderung erfuhren unsere Gewässer wohl nach dem Zweiten Weltkrieg, als oftmals davon gesprochen wurde in Österreich ein zehntes Bundesland zu schaffen. Gemeint war, damit die Flüsse so stark zu regulieren, dass dadurch eine neue Fläche in der Größenordnung eines Bundeslandes kreiert wird. Das gelang durchwegs. Denn es gibt heute nur noch Relikte und vereinzelt Strecken, wo ein Fluss noch ursprünglich ist. Untenstehende Darstellung zeigt den ökologischen Zustand aller Fließgewässer in Österreich an. Alle Strecken, die grün und blau sind, weisen dabei einen guten bzw. sehr guten Zustand auf. Gelb, orange und rot zeigen einen mäßigen, unbefriedigenden oder schlechten Zustand an.

 

Der Zustand unserer Gewässer (Quelle: Umweltbundesamt)

Wie man sieht, schauts im Burgenland nicht so rosig aus, erfüllen doch nur Teile der Raab, Wulka und Leitha die Mindestanforderungen. Im nächsten Teil dieser Serie werden wir uns den menschlichen Einflüssen zuwenden.

Fluss-Einzugsgebiete im Burgenland

Bei einem Einzugsgebiet handelt es sich – wenn wir von Flüssen sprechen – um eine Fläche, von der ein Gewässersystem seinen Abfluss bezieht. Das heißt: Regen, der in Oberwart fällt, speist die Pinka. Fallen die Tropfen 3 km südlich, fließt das Wasser über die Strem ab. Die beiden Einzugsgebiete trennt also eine sogenannte Wasserscheide (auf die Bedeutung von Wasserscheiden auf unsere heimische Fischwelt kommen wir noch etwas später zu sprechen).

Die Einzugsgebiete des Burgenlandes (Quelle: Umweltbundesamt)

Wie man in der Abbildung gut erkennen kann, entwässert faktisch das gesamte Burgenland (plus die Bucklige Welt in Niederösterreich sowie die Oststeiermark) über die Einzugsgebiete von Leitha, Raab und Rabnitz. Das gesamte Burgenland? Nein. Ausgerechnet der nördlichste (Kittsee) und südlichste Zipfel (Kalch) gehören zum Donau- beziehungswiese zum Mur-System. Freilich, irgendwann fließt alles Wasser mal ins Schwarze Meer, dennoch: Für unsere schuppigen Freunde unter der Wasseroberfläche haben genau diese kleinen Unterschiede eine enorme Bedeutung….

Der Verwandtschaftsbesuch im Doiberbach

Das Leben hart an der Grenze kennt man im Burgenland nur allzu gut, auch in der Fischwelt. Deshalb ein kleines Beispiel: In der Luftlinie trennen das Aitel (so heißt eine Fischart) aus dem Klausenbach und seinen Artgenossen aus dem Doiberbach keine 5 Kilometer. Zu Fuß würde sich ein Verwandtschaftsbesuch Sonntagnachmittag auf Kaffee und Kuchen schon ausgehen. Was aber tun, wenn man ein Fisch ist?

Die Lendva (dt. Limbach) in Kalch (Foto: Günter Nikles)

Unser Neuhauser Aitel ist für den Besuch leider auf den Wasserweg angewiesen. Und das bedeutet eine Reise durch halb Europa: Vom Klausenbach gehts in die Lendva (dt. Limbach) und von dort im Dreiländereck von Slowenien, Kroatien, Ungarn in die Mur. Nach rund 100 km dann in die Drau und bei Osijek an der Grenze zu Serbien dann in die Donau. Nach dem Motto: „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ geht’s dann flussaufwärts die Donau entlang. Über Budapest und Györ (und einem kleinen Abstecher in die Slowakei) erreicht unser Fisch dann endlich die Raab. Jetzt ist der Weg relativ einfach, steht doch nur mehr eine Abzweigung in den Doiberbach bevor.

Flüsse des Burgenlandes

Der Weg unseres Aitels vom Klausenbach in den Doiberbach (Quelle: google.com)

Fazit: eine Reise Über 1000 km durch 5 verschiedene Länder. Das schlägt sogar den letztwöchigen Kinobesuch in Oberwart in unserer Südburgenland-Analyse. Ähnlich wie von Neuhaus mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln nach Oberwart ins Kino zu fahren, bleibt auch der Verwandtschaftsbesuch unter Wasser mehr Fiktion als Realität. Dazu in nächster Zeit mehr…

 

Teilt uns doch eure Erfahrungen am Wasser in den Kommentaren mit!

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