Die Amerika-Auswanderer im Eisenstädter Landesmusem – ein Lokalaugenschein

Die heurige Sonderausstellung „Unsere Amerikaner“ im Eisenstädter Landesmuseum bietet im burgenländischen Jubiläumsjahr einen erfrischenden Perspektivenwechsel auf die Amerika-Auswandererbewegung seit dem späten 19. Jahrhundert.

Austellung Amerika-Auswanderer

Die Festlichkeiten im Jubiläumsjahr „100 Jahre Burgenland“ haben teilweise inflationären Charakter bekommen und es fällt den Interessierten recht schwer den Überblick zu behalten. Das Landesmuseum in Eisenstadt bietet sich als erste Anlaufstelle für themenspezifische Ausstellungen, die die Geschichte des Landes betreffen, an, um sich kundig zu machen. So erfuhren wir, dass der Fokus für die heurige Sonderausstellung auch das Jahr 1921 umfasst, allerdings den historischen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert spannt. Denn der Schwerpunkt liegt nicht auf die Werdung des Burgenlandes zum neunten Bundesland Österreichs, sondern auf jene Menschen, die in Amerika ihr Glück suchten und über deren Schicksal interessante Einblicke gewonnen wurden.

Ausstellung Amerika-Auswanderer

Willkommen zur Sonderausstellung „Unsere Amerikaner“ (Quelle: eigene Fotoaufnahme)

 

Für uns haben Ausflüge in die Landeshauptstadt einen Hauch von kindlicher Nostalgie. Die Erinnerungen an die obligatorische Landschulwoche im letzten Volksschuljahr kommen da hoch und man kann sich dem Eindruck kaum verwehren, dass sich nicht allzu viel geändert hatte im Landesmuseum zu Eisenstadt. Zumindest die Dauerausstellung im 1. Stock des Museums scheint aus denselben Devotionalien und Exponaten zu bestehen, die die Kinderaugen von einst bestaunten (den präparierten, schaurigen Seevögeln inklusive).

Amerika-Auswanderungswellen

Auswanderungswellen nach Amerika (Quelle: eigene Fotoaufnahme)

 

„Pfiat di Burgenland, Hello America!” – nun ja, ob all die Burgenländerinnen und Burgenländer derart euphorisch ihrer Heimat den Rücken kehrten um in einem fremden Land jenseits des europäischen Kontinents ein wirtschaftlich erträglicheres Leben zu gestalten, ist uns nicht überliefert. Nichtsdestotrotz strotzt die Ausstellung vor wagemutigen Geschichten: ein Double für US-Präsidenten Ronald Reagan, ein notorischer Heiratsschwindler aus Markt Allhau oder die Lebensgeschichten fleißiger Arbeiterinnen und Arbeiter. Letztere spendeten auch fernab der Heimat für die sozialdemokratische Bewegung, was die beiden Kuratoren scheinbar als ein nennenswertes Detail erachteten…

Ausstellung Amerika-Auswanderer

Der berühmt-berüchtigte „marriage swindler“ (Quelle: eigene Fotoaufnahme)

 

Insgesamt wird über ca. 60 Personen und deren Migrationsschicksal im Rahmen der unterschiedlichen Wellen an Amerika-Auswanderungen erzählt. Die Ausstellung folgt dem wissenschaftlichen Ansatz der „Geschichte von unten“. Die Alltagsgeschichte von Individuen steht im Vordergrund, was – so unsere bescheidene Meinung als Laien – als gelungen bezeichnet werden darf und sich wie ein roter Faden durch den Ausstellungspfad zieht. Für jene Besucherinnen und Besucher, die sich einen stärker moderierenden und erklärenden geschichtlichen Überbau erwarteten, bleiben tiefergehende Informationen eher Mangelware. Diesem vermeintlichen Informations-Manko hätte man durch einen großzügigeren Einsatz von digitalen, multimedialen Formaten entgegenwirken können. Andererseits verbleibt für Geschichtsinteressierte die Möglichkeit den eigenen Wissensdurst dank weiterführender Literatur zu stillen.

 

Apropos digitale Formate: Hier haben wir für euch eine Aufzeichung zur offiziellen Ausstellungseröffnung gefunden:

 

Habt auch ihr vor die Ausstellung im Landesmuseum Eisenstadt zu besuchen? Welche sonstigen Ausstellungen im Jubiläumsjahr interessieren euch? Schreibt es bitte in die Kommentare.

Weitere Informationen:

Dauer: 26. März 2021 – 11. November 2022

Öffnungszeiten: siehe offizielle Website

Eintritt: € 5,-

 

 

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