Von Córdoba bis Nordamerika: Burgenländische Spuren bei der Fußball-WM

Von Córdoba bis Nordamerika: Welche Burgenländer je in einem WM-Kader standen und welche WM-Stars im Burgenland kickten – unsere Spurensuche pünktlich zum großen Turnier 2026.

Fußball WM Burgenland

Von Clemens Faustenhammer

Es ist so weit: Nach 28 langen Jahren ist Österreichs Nationalmannschaft wieder dort, wo der Weltfußball zu Hause ist. Vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 steigt die Weltmeisterschaft erstmals in drei Ländern gleichzeitig – in den USA, Kanada und Mexiko – und Rot-Weiß-Rot ist (endlich wieder) mittendrin statt nur dabei. In Gruppe J warten mit Weltmeister und Legende Lionel Messi Argentinien, das schwer einschätzbares Algerien und ein kaum zu unterschätzendes Jordanien durchaus reizvolle Gegner.

Für Österreich ist es die insgesamt achte WM-Teilnahme. Zuvor war das ÖFB-Team 1934, 1954, 1958, 1978, 1982, 1990 und zuletzt 1998 in Frankreich mit von der Partie. Das beste Abschneiden datiert aus dem Jahr 1954. In der Schweiz holte die Wunderteam-Nachfolgegeneration den dritten Platz, unvergessen die „Hitzeschlacht von Lausanne“, ein 7:5 gegen die Eidgenossen, bis heute das torreichste Spiel der WM-Geschichte. 1934 sprang in Italien – ein damals enttäuschender – Rang vier heraus. 1978 schrieb das „Wunder von Córdoba“ mit dem 3:2 gegen Deutschland österreichische Fußballgeschichte.

Die bevorstehende WM ist für uns Anlass genug, einmal mit der burgenländischen Brille auf das große Turnier zu blicken. Zwei Fragen treiben uns dabei um: Welche Burgenländer standen jemals in einem WM-Kader? Und welche WM-Mitfahrer haben umgekehrt im burgenländischen Fußball ihre Spuren hinterlassen?

 

Burgenländer im WM-Kader

Hans Dihanich – WM 1982 in Spanien

Der gebürtige Nordburgenländer (Jahrgang 1958) lernte das Fußballspielen beim burgenländisch-kroatischen ASKÖ Klingenbach, ehe ihn die Wiener Austria abwarb. Mit den Veilchen wurde der wuselige Abwehr- und Mittelfeldspieler gleich mehrfach österreichischer Meister. Zehn Länderspiele zwischen 1980 und 1984 stehen zu Buche – und ein WM-Ticket: 1982 gehörte Dihanich in Spanien zum österreichischen Aufgebot, kam allerdings zu keinem Einsatz. Später machte er sich als Trainer einen Namen, unter anderem beim Heimatverein in Klingenbach und dem SC/ESV Parndorf.

Christian „Kegerl“ Keglevits – WM 1990 in Italien

Geboren 1961 in Weiden bei Rechnitz und fußballerisch in Schachendorf sowie beim SC Eisenstadt aufgewachsen, schaffte es der Stürmer bis ins österreichische Nationalteam (18 Länderspiele, 3 Tore) und zu zwei Meistertiteln mit Rapid Wien. 1990 fuhr er mit nach Italien – allerdings unter denkbar bitteren Vorzeichen: Eine Verletzung plagte ihn schon vor dem Turnier, mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte er sich überhaupt erst in den Kader. Zu einem WM-Einsatz reichte es am Ende nicht. Zum „Burgenlands Sportler des Jahres“ wurde „Kegerl“ trotzdem gewählt.

Dietmar „Didi“ Kühbauer – WM 1998 in Frankreich

Und dann ist da noch jener Mann, der es als bislang einziger gebürtiger Burgenländer tatsächlich auf den WM-Rasen schaffte: der Mattersburger Didi Kühbauer. Unter Teamchef Herbert Prohaska bestritt er 1998 in Frankreich drei Partien. Über seine außergewöhnliche Laufbahn – und vor seinen jüngsten Coup als Meistertrainer des LASK – haben wir an anderer Stelle schon ausführlich berichtet, hier zum Nachlesen.

 

WM-Mitfahrer mit Spuren im burgenländischen Fußball

Drehen wir den Spieß um: Nicht nur Burgenländer fuhren zur WM – es kamen auch ehemalige WM-Teilnehmer ins Burgenland. Eine kleine Galerie ohne Anspruch auf Vollständigkeit, chronologisch nach ihrem Turnier.

Walter Schleger – WM 1954 & 1958

Der Austria-Stürmer war gleich zweimal bei einer Endrunde dabei und stand 1954 im österreichischen Team, das in der Schweiz WM-Dritter wurde – er kam im Auftaktspiel gegen Schottland zum Einsatz und half im Halbfinale sogar als Aushilfsverteidiger aus. Schleger war eine Ausnahmeerscheinung. Hauptberuflich Tierarzt und später Universitätsprofessor, was ihm den Spitznamen „Doktor Fußball“ eintrug. Im Burgenland hinterließ er als Trainer Spuren, unter anderem beim FC Deutschkreutz und über fünf Saisonen beim SC Eisenstadt, den er bis in die höchste Spielklasse führte.

Willy Kreuz – WM 1978

Der Wiener Torjäger, Torschützenkönig 1971 bei der in die Südstadt ausgewanderten Admira, verdiente sich bei Sparta Rotterdam und Feyenoord seine Sporen und gehörte zum Kern jener Mannschaft, die 1978 in Córdoba für das legendäre 3:2 gegen Deutschland sorgte. Seine Wege führten ihn später auch ins Burgenland: Kreuz schnürte die Schuhe noch für den SC Eisenstadt und betreute als Trainer den ASK Klingenbach.

Péter Hannich – WM 1986 in Mexiko (Ungarn)

Der ungarische Offensivmann – einst Torschützenkönig und Meister mit Győri ETO, später bei MTK Budapest und im französischen Nancy – nahm 1986 mit Ungarn an der WM in Mexiko teil (27 Länderspiele). In Österreich, beim damals noch unterklassigen SV Mattersburg, lief er 1991/92 auf und blieb dem Verein anschließend als Trainer (1992–1994) erhalten. Jahrzehnte später kehrte er sogar als Coach des ASV Zurndorf ins Burgenland zurück.

Wolfgang Knaller – WM 1998 in Frankreich

Der Kärntner Torhüter war über Admira Wacker und die Wiener Austria zu einem verlässlichen Mann im ÖFB-Kasten geworden und gehörte 1998 als dritter Goalie hinter Michael Konsel und Franz Wohlfahrt zum WM-Aufgebot in Frankreich. Seine lange Karriere ließ er 2008 ausgerechnet im Burgenland ausklingen – beim ASK Baumgarten, also in jenem Ort, in dem auch ein gewisser Andreas Ivanschitz das Kicken lernte.

Hannes Reinmayr – WM 1998 in Frankreich

Den süffisant als „Weltenbummler“ titulierten Reinmayr zog es in seiner Laufbahn an unzählige Stationen. Die größten Erfolge feierte er zweifellos als Teil des „Magischen Dreiecks“ mit Sturm Graz (zweimal Meister 1998/99). 1998 fuhr er mit nach Frankreich und durfte dort sogar einmal ran. 2002 schlug der Mittelfeldspieler beim (damals zweitklassigen) SV Mattersburg auf, wurde mit den Burgenländern Meister der Ersten Liga und stieg in die Bundesliga auf. Ein schöner Schlusspunkt, ehe er die Profischuhe an den Nagel hängte und im Unterhaus noch ein paar Jährchen dranhängte.

Carsten Jancker – WM 2002 (Deutschland, Vize-Weltmeister)

Der wohl prominenteste Legionär, der je das Trikot eines burgenländischen Klubs trug. Der bullige deutsche Stürmer holte mit Bayern München 2001 die Champions League und stand 2002 mit Deutschland im WM-Finale gegen Brasilien. Im Herbst seiner Karriere fand er den Weg ins Burgenland: Von 2007 bis 2009 stürmte Jancker für den SV Mattersburg, erzielte in 76 Spielen 21 Tore und wurde sogar zum Mannschaftskapitän gewählt. Seine Trainerlaufbahn begann er anschließend ebenfalls im Burgenland, als Individualtrainer beim SC Neusiedl am See. Noch heute wohnt der bald 52-Jährige im Osten Österreichs.

Milivoje Novaković – WM 2010 in Südafrika (Slowenien)

Ehe der hochgewachsene Slowene zum gefeierten Torjäger des 1. FC Köln und zum Aushängeschild seiner Nation bei der WM 2010 wurde, schlug er sich durch eine wahre „Österreich-Odyssee“ über diverse Unterhaus-Klubs. Eine Station dabei: der SV Mattersburg, für den Novaković 2004 auf Leihbasis auflief. Wer ihn damals im Pappelstadion sah, ahnte vermutlich nicht, dass dieser Mann wenige Jahre später bei einer Weltmeisterschaft auf Tore-Jagd gehen würde.

 

Ausblick: Ein Eisenstädter bei der WM 2026?

Womit wir bei der Gegenwart wären – und bei einer Geschichte, die wir so gleich in zweifacher Hinsicht nicht kommen sahen. Im ersten Teil unserer Legionärs-Serie haben wir Carney Chukwuemeka porträtiert – damals noch in der Annahme, der Mittelfeldspieler werde einmal für die „Three Lions“ aus England auflaufen. Schließlich war er als Bub mit nigerianischen Wurzeln schon sehr früh nach England übersiedelt, durchlief dort die Nachwuchs-Nationalteams und wurde 2022 mit der englischen U19 Europameister.

Auch beim Geburtsort müssen wir uns selbst ein wenig korrigieren: Lange galt Chukwuemeka – uns wie zahlreichen Medien – als gebürtiger Eisenstädter. Bei genauerem Hinsehen stellte sich allerdings Wien als Geburtsort heraus; im Burgenland, in Eisenstadt, verbrachte er „nur“ die ersten Monate seines Lebens, ehe die Familie nach Großbritannien weiterzog. Der burgenländische Bezug bleibt also bestehen – aber eben als erste Lebensstation und nicht als Geburtsort.

Und auch sportlich kam es anders: Im März 2026 genehmigte die FIFA den Verbandswechsel des Borussia-Dortmund-Profis. Diesen März feierte Chukwuemeka beim 5:1 gegen Ghana ein Traumdebüt für Österreich – mit einem Tor. Nun steht der 22-Jährige im ÖFB-Aufgebot für die WM 2026.

Sollte er in den USA, Kanada oder Mexiko auflaufen, schließt sich ein Kreis: ein Spieler, dessen Lebensweg im Burgenland seinen Anfang nahm, auf der größten Bühne des Weltfußballs. Wir vom Sautanz werden jedenfalls ganz genau hinschauen und mit der Rangnick-Elf je nach Ankick-Zeit frühmorgens bis spätabends mitfiebern.

Welche Erinnerungen habt ihr an die vergangenen Fußball-Weltmeisterschaften? Teilt sie uns in den Kommentaren mit!

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