Insektenschutz – die Hornisse (Teil 1)

In unserer neuen Serie über Insektenschutz im Burgenland widmen wir uns der Hornisse. Sie ist ein echter Nützling und streng geschützt.

Hornissen (Vespa crabo) gehören zu den Faltenwespen, sind als größte heimischen Wespenart mit den im Sommer „lästigen“ Wespenarten, der Deutschen und der Gemeinen Wespe, verwandt und zählen zu den besonders geschützten Tierarten im Burgenland.

 

Hornissen sind staatenbildende Wesen

Im Gegensatz zu den Honigbienen sterben bei einem Hornissenstaat alljährlich im Sommer die alte Königin und im Herbst bzw. mit Wintereinbruch Drohnen und Arbeiterinnen, und das Nest wird auch nicht wieder verwendet. Jungköniginnen und Drohnen verlassen zur Paarungszeit im Herbst das Nest. Die Jungköniginnen überwintern in Totholzhecken und Komposthaufen, unter Baumrinden und in anderen Verstecken. Zeitig im Frühjahr suchen sie oft tagelang geräumige und witterungsbeständige Höhlen in Bäumen und gründen auch, wenn nicht genügend natürliche Nestplätze vorhanden sind, in Hohlräumen von Mauern, unter Vordächer, in Dachböden, Erdhöhlen in Steilwänden, Vogelnistkästen, oder Komposthaufen allein einen Staat.

Ein Hornissennest kann enorme Ausmaße annehmen, wie hier unter meinem Dach.

Jedes Hornissennest ist einzigartig

Die Königin zerkaut Holzfasern von morschem Holz und baut mit Speichel vermischt damit eine Wabe mit einzelnen Brutzellen, in die sie die ersten Eier legt. Aus den ersten Larven, die sie mit Nahrung versorgt, entwickeln sich Arbeiterinnen, die in weiterer Folge die Versorgung der nachfolgenden Brut und den Nestbau übernehmen. Durch den Bau von etagenförmig angeordneten Waben mit Brutzellen und der für das Klima wichtigen Hülle mit Luftkammern mit verschiedenen Totholzarten entsteht ein marmoriertes Meisterwerk! Ein Hornissenstaat besteht je nach Größe des Nestes und abhängig vom Nahrungsangebot aus einigen Hundert Arbeiterinnen, die ca. ein Monat alt werden, und einer Königin, die sich nach einigen Wochen nur auf das Eier legen konzentriert. Im Spätsommer werden in größeren Brutzellen Jungköniginnen und Männchen (Drohnen) für die nächste Generation gezüchtet.

Die Königin auf der Suche nach geeignetem Nestbaumaterial.

Die Nester sind wahre Kunstwerke.

Hornissen verteidigen ihr Nest, das Baumaterial und die Nahrung

In der Nähe des Nestes reagieren Hornissen sofort auf Störungen, wie Erschütterungen, Gerüche und ruckartige Bewegungen, und fühlen sich bedroht. Während einzelne Hornissen den Störenfried ausfindig machen, hat man Zeit, sich ruhig und entschlossen zurückziehen, bevor noch weitere Artgenossen alarmiert werden und ihr Nest – ihren Privatbereich – verteidigen.

Ebenfalls wollen sie beim Sammeln von Baumaterial und bei der Nahrungsaufnahme nicht gestört werden. Unnötiges Herumfuchteln mit den Händen, um sie zu vertreiben, oder sie sogar wegzublasen, kann fatale Folgen haben, da sie auf den Stickstoff der Atemluft besonders sensibel reagieren. Beim Essen will man/frau Ruhe haben!

Ein weiteres interessantes Verhalten der Hornissen bei der Nahrungsaufnahme an sonnigen Tagen ist das sogenannte Ringeln von Zweigen von Obstbäumen, Weiden und Ölbaumgewächsen, wie Flieder, Liguster und Esche. Mit ihren kräftigen Kieferzangen knabbern sie die Rinde ab. Mit dem austretenden süßen Saft decken sie ihren Kohlenhydratbedarf und den erwachsenen Artgenossen, die sich nur von saftigen Früchten und Baum- und Strauchsäften ernähren. An offenen Stellen von Eichen, wo Saft austritt, kämpfen Hornissen und Hirschkäfer um die begehrte Flüssigkeit.

Einige Hornissen beim Ringeln.

Interessante Beobachtungen und Fotos

Wenn man Ruhe bewahrt, keine hastigen Bewegungen macht und die passende Schutzkleidung (T-Shirt, kurze Hose, keine Kopfbedeckung) trägt, kann man sich wie eine Gottesanbeterin vorsichtig „anschleichen“ und sie die längste Zeit bei der Nahrungsaufnahme, beim Sammeln von Baumaterialien auf Totholz und beim „Töpfern“ des kunstvollen Nestes beobachten und aus kurzer Distanz herrliche Naturfotos machen.

Unseren Nistkasten haben dieses Jahr die Hornissen in Beschlag genommen.

Hornissen sind ein wichtiges Glied in der Nahrungskette

Für die Aufzucht ihrer Larven, die sich in 30 bis 50 Tagen zum Vollinsekt entwickeln, erbeuten Hornissen Spinnen und Insekten, wie Raupen, Larven, Käfer, Wanzen, Fliegen, Heuschrecken, Libellen, Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge etc., wobei Pflanzen peinlichst genau „abgesucht“ und jede Ritze und jedes Loch penibel kontrolliert werden. In den Sommermonaten vertilgen die Larven eines intakten Staates täglich 0,5 kg Spinnen und Insekten und sorgen so für das natürliche Gleichgewicht in der Natur und sind nützliche Gartenbewohner. Besonders abgesehen haben sie es auf ihre nächsten Verwandten, die Wespen: Es kommt des Öfteren vor, dass sie einen ganzen Staat systematisch vernichten.

Honigbienen haben eine eigene Taktik parat: Einzelne Hornissen der Vorhut werden im wahrsten Sinn des Wortes gegrillt. Während des Kampfes verlieren die Honigbienen zwar etliche Individuen, aber schlussendlich umschließen viele Bienen einzelne Hornissen und erzeugen durch Vibrieren der Flugmuskulatur eine für die Hornissen todbringende Hitze. Ein schwaches Bienenvolk ist natürlich eine leichte Beute.

 

Hornissen sind keine geschickten Jäger und werden auch gejagt

Da Hornissen auf der Jagd nach Spinnen und Insekten laut brummend wie ein dicker Tiefflieger unterwegs sind, werden die Beutetiere schon durch die Luftbewegungen aufmerksam und haben individuell auch ihre Strategien entwickelt, um nicht zur leichten Beute zu werden:

  • Spinnen im Netz und Käfer auf Blüten lassen sich einfach fallen
  • Tagfalter fliegen senkrecht aufsteigend wie ein Hubschrauber weg
  • Raupen hängen sich blitzschnell auf einem Faden ab
  • am Boden befindliche Insekten flüchten in der Vegetation

Bei einigen Vögeln, wie Neuntöter, Bienenfresser und Wespenbussard, stehen die Hornissen auf dem Speiseplan.

 

Lichtquellen im Garten irritieren nicht nur Hornissen

Da Hornissen Tag und Nacht unterwegs sind und durchgehend im „Drei-Schicht-Betrieb“ arbeiten, um Nahrung und Material für das Nest zu besorgen, denn Schlafen ist das Unnötigste für sie, werden sie von Lichtquellen angelockt und verlieren ihre Orientierung. Dort treffen sie auch Nachtfalter, Waldschaben und viele weitere Insekten, die dann in Bodennähe leichte Beute für Erdkröten, Spitzmäuse und Igel werden. Beleuchtete Kirchtürme, Feuerwehrhäuser, Gemeindeämter und andere „interessante“ Gebäude ziehen nicht Touristen, sondern Insekten an und sind „ideale“, aber keine natürlichen Jagdreviere für Fledermäuse. Aus vorstehenden Gründen sollten Lichtquellen in privaten und öffentlichen Bereichen weitgehendst vermieden werden, da sie das Leben von nachtaktiven Tieren massiv beeinflussen und viele Tiere geschwächt (zur leichten Beute) werden oder sterben. Sollten sich Tiere durch Licht angezogen in Häuser „verirren“, kann man sie mit einem darübergestülpten Trinkglas und einem Stück Karton als Deckel, der vorsichtig unter das Trinkglas geschoben wird, ins Freie bringen. Einfach zum Nachdenken: Welcher Autofahrer braucht eine Straßenbeleuchtung (auf Abschnitten ohne Gehsteig)?

 

Hornissen zählen zu den besonders geschützten Arten

Viele Schauermärchen und Legenden (sieben Stiche töten ein Pferd, drei einen Menschen) werden über Generationen „warm“ gehalten. Hornissenstiche sind zwar sehr schmerzhaft, aber das Gift ist relativ schwach. Ganz normal sind nach dem Stich die kleinräumige Rötung und Erhitzung, das Ziehen und eine lokale Schwellung, die nach einigen Stunden wieder abklingen. Menschen mit Insektengiftallergien müssen natürlich vorsichtig sein und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Hornissen stechen nicht gleich, sondern fliegen frontal auf den Menschen zu und umkreisen ihn, um zu zeigen: Hier bist du nicht erwünscht.

 

Eine kleine Episode: Da ich in unserem Garten nach der Blüte und dem Versamen kleinere Teilflächen in größeren Zeitabständen mit der Sense mähe, kommt es vor, dass bis zum nächsten Mähtermin auch Sträucher keimen und stehen bleiben dürfen, wenn der Platz passt: Ein stattlicher Ligusterstrauch entwickelt sich im Laufe der Jahre. Während der Mäharbeiten neben dem Ligusterstrauch summen einige Hornissen über meinen Kopf. Nach vorsichtigem Zurücktreten beruhigen sie sich wieder und fliegen zur von mir erst jetzt (heuer) entdeckten „Labestation“ zurück, die aufgrund der Narben schon einige Jahre als Zuckersaftlieferant für Hornissen und auch schmarotzenden Schmeißfliegen dient.

 

Hornissen dürfen nicht getötet und ihre Nester weder zerstört noch entfernt werden.

 

Habt ihr auch ein Hornissennest im Garten? Berichtet uns in den Kommentaren!

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