Die Säugetiere des Burgenlands: der Maulwurf (Teil 5)

Nach dem Igel im Teil 4 unserer Serie beschäftigen wir uns mit einem weiteren Exoten in unseren Breitengraden, der der einzige Vertreter seiner Art in Mitteleuropa ist: dem Maulwurf!

von Franz Lex

Mit dem Europäischen Maulwurf finden wir einen Stock tiefer in der Erde einen eigenbrötlerischen Einzelgänger, der trotz seiner kleinen Gestalt gewaltige Erdmassen bewegt und mit vielen Erdhügeln zum Leidwesen vieler Gartenbesitzer „Bewegung“ in die öde Winter- und Frühjahrslandschaft bringt.

Im Frühjahr schauen die Wiesen oft so aus

Einzigartig in vielerlei Hinsicht

  • Der Maulwurf, der zur Ordnung der Insektenfresser zählt, hat seinen Namen nicht vom „mit dem Maul (Schnauze) Erde rauswerfen“, sondern von der althochdeutschen Bezeichnung „Molte“ (= Erde): Der Molte(Erde)werfer bzw. Moltewurf und in weiterer Folge Maulwurf.
  • Vielfältige Anpassungen ermöglichen ihm eine grabende Lebensweise in der Erde:
  • Ein speziell gebauter walzenförmiger Körper mit kurzem Hals, weit nach vorne gelagerten, kräftigen, schaufelartig gestalteten, nach außen gerichteten und mit Krallen besetzten Vordergliedmaßen, äußerlich nicht sichtbaren Ohren, kleinen Augen in einer Lidspalte und einem dichten kurzen Fell sind ideale Voraussetzungen für die Anlage von oberflächennahen und tiefen Gangsystemen, bei der auch die schwächer ausgebildeten Hinterbeine unterstützend eingesetzt werden.
  • Die Gangsysteme sind mit einem Netzwerk aus Gängen und Tunneln
  • Oberflächennahe Gänge dienen als Jagdröhren, die mehrmals am Tag nach Regenwürmern (Hauptnahrung), Schnecken, Insekten und deren Larven (Engerlinge), die in die Gänge fallen bzw. sich „verirren“, durchkämmt werden. Maulwürfe sind reine Fleischfresser, die auch Spinnen und kleine Wirbeltiere (Reptilien, Jungmäuse) verzehren. Der Energieverbrauch ist sehr hoch, weshalb er täglich 70-100% seines Körpergewichtes an Nahrung

Engerlinge der Rosenkäfer entwickeln sich in zwei bis drei Jahren im Komposthaufen, ehe sie sich im Herbst verpuppen. Im darauffolgenden Frühjahr krabbelt der fertige Käfer aus der Erde.

Ein goldgezähnter Rosenkäfer.

  • Der Maulwurf ist nicht blind, sondern kann Hell-Dunkel-Schattierungen wahrnehmen. Neben dem nicht sehr gut ausgebildeten Sehsinn stehen ihm eine Vielzahl weiterer Sinne zur Verfügung. Mit Tasthaaren (Vibrissen) an der Schnauze und am Schwanz erkundet er seine Umgebung. Die Haut der Nase ist mit dem sogenannten „Eimerschen Organ“, einem Tastsinn, ausgestattet, das nur bei Maulwürfen vorkommt und mit dem er leichte Erschütterungen im Boden sowie Muskelkontraktionen von Beutetieren wahrnehmen kann. Ein ausgezeichnetes Gehör und ein hervorragender Geruchssinn vervollständigen die Überlebungsstrategie des Maulwurfs.
  • In Dürreperioden erfolgt oft die Nahrungssuche oberirdisch, die vielen Maulwürfen zum Verhängnis wird, da sie den Feinden (Eulen, Greifvögel, Fuchs, Marder und Hauskatze) schutzlos ausgeliefert sind. Ebenso sind Jungtiere, die das Revier der Mutter auf der Suche nach einem eigenen Revier verlassen, oberirdisch unterwegs.

In einer längeren Dürreperiode war dieser Maulwurf in unserem Garten oberirdisch auf Nahrungssuche unterwegs.

  • Vor den Wintermonaten werden in gegrabenen Vorratskammern größere Mengen an Regenwürmern angelegt, die durch Abbeißen der vorderen Körpersegmente „betäubt“ werden.
  • In tieferen Gangsystemen, deren Tiefe je nach Grundwasserstand oder Witterung (Bodenfrost) verschieden sein kann, befinden sich Schlaf- und Ruheplätze und die Nestkammern der Weibchen, die durch ein Netzwerk aus Röhren und Tunneln verbunden sind. Das Nest wird mit trockenem Pflanzenmaterial (Laub, Gras) ausgestattet.
  • Nach der Paarung im Frühjahr und einer vierwöchigen Tragzeit werden zwei bis sieben Junge Im Nest herrscht eine gleichbleibende Temperatur von über 20 °C vor.
  • Bei der Anlage der oberen Gänge wird das Erdmaterial an die Wände gedrückt und verdichtet. Bei tieferen Grabsystemen mit größerem Volumen bewegt der Maulwurf wie eine Planierraupe das gelockerte Erdreich durch Tunneln und Gänge und befördert es durch einen senkrechten Gang an die Oberfläche, wodurch die „beliebten“ Maulwurfshügel entstehen.

 

Praktische Tipps

  • Der Maulwurf ist in Österreich geschützt und darf weder getötet, gefangen oder verletzt werden. Der Einsatz von Fallen, Benzin, Gift und Schneckenkorn ist verboten. Das schonende Vertreiben durch Vibrationen und unangenehme Gerüche ist erlaubt.
  • Durch seine Grabungsarbeiten deutet der Maulwurf auf einen gesunden Gartenboden hin, richtet keinen nennenswerten Schaden an, belüftet den Boden, vertilgt viele Schädlinge und liefert eine wertvolle, lockere und kostenlose Erde, die mit Kompost gemischt eine ideale Kombination zum Vorziehen und Pikieren von Pflanzen ergibt. Im Sommer werden die Grabungsarbeiten eingestellt.
  • Als Einzelgänger vertreibt der Maulwurf nicht nur seine Artgenossen, sondern auch Wühlmäuse aus seinem Revier. Ungebetene Gäste lassen sich mit frischen Holunderblättern aus dem Küchengarten vertreiben, indem sie in das geöffnete Gangsystem gestopft werden, das anschließend vorsichtig geschlossen wird.
  • Wer einen Teil seiner Rasenfläche in eine Wildblumenwiese für Schmetterlinge und (Wild)Bienen umwandeln will, erspart sich viel Arbeit und Geld: Einfach mit einem Rechen die Erde der Maulwurfshügel gleichmäßig verteilen, denn in der Erde befinden sich viele Samen von Wiesenblumen, die oft jahrzehntelang konserviert werden und auf günstige Keimbedingungen warten!
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