Das Finale unserer Legionärs-Serie aus dem Burgenland: Austria-Meisterschütze Philipp Hosiner im Porträt, dazu Peter Haring, Mario Pavelic, Patrick Schmidt und Enrico Kulovits – von Edinburgh bis Malta.
Von Clemens Faustenhammer
In den bisherigen Teilen dieser Serie über die Fußball-Exportschlager aus unserem Heimatbundesland erzählten wir vom Pionier Karl Skerlan, der wohl als erster Burgenländer außerhalb Österreichs Grenzen dem runden Leder nachjagte. Im ersten Teil stellten wir mit Braunöder, Kuster, Nemeth, Steinwender und Trimmel die aktuellen Legionäre vor. Nachdem Thomas Parits in Deutschland und Spanien sehr erfolgreich ballestert hatte, dauerte es mehr als zwei Jahrzehnte, ehe mit Didi Kühbauer und Martin Stranzl wieder zwei Burgenländer international für Aufsehen sorgten. Über die Karriere von Dietmar „Didi“ Kühbauer berichteten wir in Teil 2. Ein ausführliches Interview mit Martin Stranzl über seine Zeit in Deutschland und Russland sowie die „Karriere danach“ ist im dritten Teil dieser Serie nachzulesen. Im vierten Teil zeichneten wir ein Porträt von Andreas Ivanschitz und blickten unter anderem auf die Karrieren von Thomas Mandl und Patrick Farkas.
In diesem – vorerst abschließenden – Teil rückt ein Fußball-Legionär in den Vordergrund, der die Wiener Austria 2013 zum bislang letzten Meistertitel schoss, in der französischen Ligue 1 und in der deutschen Bundesliga spielte und mit 25 Jahren einen Nierentumor überstand.
Über München und die Vienna zur Admira
Die Rede ist von Philipp Hosiner. Geboren am 15. Mai 1989 in Eisenstadt, lernte der Nordburgenländer das Kicken beim SC Eisenstadt. Über den SV St. Margarethen, die AKA Burgenland und den SV Mattersburg ging es 2006 nach Deutschland. Mit 17 Jahren zog er nach München zum TSV 1860, wo er den Sprung vom Nachwuchs in den Erwachsenenfußball schaffte und für die zweite Mannschaft der „Löwen“ in 31 Regionalliga-Spielen zwölfmal traf. Beim SV Sandhausen in der 3. Liga blieb es 2009/10 bei einem Tor in 20 Partien. 2010 kehrte er nach Österreich zurück und machte bei der Vienna mit 16 Pflichtspieltoren auf sich aufmerksam. Schließlich holte ihn die Admira im Sommer 2011 in die Bundesliga. Trainer in der Südstadt war ein alter Bekannter unserer Serie: Didi Kühbauer. In seiner ersten Bundesliga-Saison 2011/12 erzielte Hosiner zehn Liga- und vier Cuptore.
Als Admira-Spieler debütierte er am 7. Oktober 2011 im Nationalteam, eingewechselt für Stammstürmer Marc Janko beim 4:1 in Aserbaidschan. Im Sommer 2012 spielte er mit der Admira in der Europa-League-Qualifikation und traf in den ersten sechs Ligaspielen fünfmal. Dieser famose Saisonstart bewog Ende August 2012 die Wiener Austria, noch einmal am Transfermarkt tätig zu werden und Hosiner um die kolportierte Ablösesumme von 650.000 Euro aus Maria Enzersdorf loszueisen.
32 Tore und der Meistertitel mit der Austria
In seiner ersten Saison bei der Austria wurde Hosiner mit 32 Ligatoren – fünf davon noch für die Admira – Torschützenkönig, Meister und Spieler der Saison. Im System von Trainer Peter Stöger ragte der technisch beschlagene Burgenländer als Mittelstürmer heraus. Bemerkenswert: Innerhalb von sechs Wochen gelangen ihm drei Dreierpacks – der erste ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub, beim 6:4 in der Südstadt am 27. Oktober 2012. Im nächsten Ligaspiel folgte beim 6:1 gegen Ried der zweite Dreierpack, im Dezember beim 6:3 in Wolfsberg der dritte.
Den ersten Meistertitel seit 2006 fixierte die Austria mit einem 4:0 gegen – aus burgenländischer Sicht pikant – den SV Mattersburg. Das Double blieb aus, im legendären Cupfinale unterlagen die Veilchen dem Drittligisten Pasching mit 0:1. Im März 2013 erzielte Hosiner gegen die Färöer seine ersten beiden Länderspieltore. Auch international setzte er Akzente. In der Champions-League-Qualifikation 2013/14 gegen Dinamo Zagreb bereitete er das entscheidende Tor von Roman Kienast zum 2:3 vor, das die Austria in die Gruppenphase brachte. Als einer der wenigen Österreicher erzielte er im letzten Gruppenspiel gegen Zenit St. Petersburg einen Doppelpack in der Königsklasse. Trotz einer Verletzung zum Saisonstart kam er noch auf 14 Ligatore.
Von Rennes über Köln und Berlin bis Offenbach
Im Juni 2014 wechselte Hosiner für rund 1,9 Millionen Euro zu Stade Rennes in die französische Ligue 1. Er debütierte am ersten Spieltag in Lyon und erzielte im Ligapokal gegen Olympique Marseille in der Nachspielzeit per Ferse den 2:1-Siegtreffer. In zwölf Ligaspielen blieb er jedoch ohne Tor. Im Jänner 2015 nahm seine Karriere eine dramatische Wendung – dazu mehr am Ende.
Im Sommer 2015 folgte die Leihe zum 1. FC Köln und damit das Wiedersehen mit Meistertrainer Peter Stöger. In 15 Bundesliga-Spielen gelang ihm ein Treffer. Einen Stammplatz konnte er sich bei den „Geißböcken“ nicht erkämpfen. 2016 verpflichtete ihn der Zweitligist Union Berlin fix von Rennes und stattete ihn mit einem Dreijahresvertrag aus. In der Hauptstadt wurde er Klubkollege seiner Landsleute Emanuel Pogatetz und Christopher Trimmel – mit Hosiner und Trimmel standen damit gleich zwei Burgenländer im Union-Kader.. Hosiner traf in seiner ersten Saison sechsmal, in der zweiten zweimal.
Nach einer Saison bei Sturm Graz zog es ihn im September 2019 wieder nach Deutschland. Beim Chemnitzer FC in der 3. Liga erzielte er 19 Tore in 28 Spielen, seine beste Quote seit der Meistersaison. 2020 wechselte er zu Dynamo Dresden, gewann mit den Sachsen 2020/21 die 3. Liga und stieg in die 2. Bundesliga auf. Im Jänner 2022 wechselte er zu den Kickers Offenbach in die viertklassige Regionalliga Südwest. Mit dem Traditionsklub holte er den Hessenpokal, ehe er 2023 nach Wien zurückkehrte.
Der Tumor, das Comeback und das Leben danach
Die zweifelslos schwerste Phase seiner Laufbahn begann mit einer Routineuntersuchung. Beim Medizincheck für den geplanten Wechsel nach Köln entdeckten die Ärzte im Jänner 2015 einen zwei Kilogramm schweren Tumor an seiner linken Niere, der vermutlich schon mehrere Jahre gewachsen war. Hosiner sagte später, die regelmäßigen Kontrollen als Profi hätten ihm „vermutlich das Leben gerettet“. Im Februar 2015 wurde ihm die Niere entfernt. Schon im Mai stand er für die Reserve von Rennes wieder auf dem Platz, kurz darauf kam der Wechsel nach Köln doch noch zustande. Dass er danach noch für Köln, Union, Chemnitz und Dresden auf Torjagd ging, macht seine Geschichte so bemerkenswert.
2023 kehrte Hosiner als Kapitän und Mentor der Young Violets zum FAK zurück. In seiner ersten Regionalliga-Saison traf er 14-mal, im Jahr darauf 21-mal, und die Jungveilchen stiegen am letzten Spieltag in die 2. Liga auf. Im Mai 2026 verkündete er beim Mitgliederfest sein Ende als Profi zum Saisonschluss – nach 161 Pflichtspielen, 91 Toren und 24 Vorlagen für die Austria. Dem Fußball bleibt er treu: Hosiner arbeitet als Individualtrainer für die Offensivspieler der Austria-Akademie. Ganz lassen kann er es anscheinend nicht: In der Saison 2026/27 stürmt er erfolgreich für den FCM Traiskirchen in der Regionalliga Ost und führt nach elf Runden die Torschützenliste an.
Kapitän in Schottland und ein Abstecher nach Malta
Neben Hosiner verdienten drei weitere Kicker aus dem Nordburgenland ihr Geld im Ausland – von Schottland und England über Kroatien, Norwegen, Litauen und Dänemark bis nach Malta.
Noch bevor Michael Steinwender bei Heart of Midlothian auf sich aufmerksam machte, etablierte sich mit Peter Haring ein anderer burgenländischer Fußballexport auf der Insel. Der Mittelfeldspieler lernte das Kicken beim ASV Siegendorf und in der AKA Burgenland, ehe er über Rapid II, Austria Lustenau und Ried im Juni 2018 nach Edinburgh wechselte. Ursprünglich als Innenverteidiger geholt, wurde er bei den Hearts zum Fixpunkt im defensiven Mittelfeld. Als der Stammkapitän Christophe Berra und sein Stellvertreter verletzt ausfielen, führte Haring die Hearts als Kapitän aufs Feld. Eine Beckenverletzung, die sich im Cupfinale 2019 gegen Celtic verschlimmerte, kostete ihn die gesamte Saison 2019/20, an deren Ende die Hearts abstiegen. Mit dem Titel in der zweitklassigen Scottish Championship gelang 2020/21 die Rückkehr; nach sechs Jahren und mehr als 120 Pflichtspielen verließ er den Klub 2024 und spielte danach noch ein halbes Jahr beim FAC. Seit dieser Saison bringt er seine Routine beim Mattersburger SV 2020 in der Regionalliga Ost ein.
Mario Pavelic, wie Haring in Eisenstadt geboren, begann beim SC Neusiedl am See und spielte kurz in der AKA Burgenland. Nach über 100 Bundesliga-Spielen für Rapid wechselte der Rechtsverteidiger 2018 zu HNK Rijeka nach Kroatien und gewann dort zweimal den Cup, obwohl seine Einsatzzeiten nach gutem Start rasch abnahmen. 2019 war das vormalige Rapid-Talent zwischendurch an Sarpsborg 08 in Norwegen verliehen. Seine erfolgreichste Auslandsstation folgte nach einem Intermezzo beim Wolfsberger AC: Im August 2021 ging Pavelic zu Žalgiris Vilnius. Mit dem litauischen Klub wurde er 2021 und 2022 Meister, kam auf 70 Ligaspiele und spielte in der Champions-League-Qualifikation. Seit Jänner 2025 kickt er beim Regionalligisten SV Leobendorf.
Patrick Schmidt begann wie David Nemeth beim UFC St. Georgen und kam 2011 in die Admira-Akademie. Der U21-Teamspieler wechselte im August 2019 für über eine Million Euro zum englischen Zweitligisten Barnsley. Dort war er meist Joker, schrieb aber Vereinsgeschichte: Sein Tor in der Nachspielzeit gegen Nottingham Forest sicherte 2020 den Klassenerhalt. Nach Leihen zu Ried und zum dänischen Zweitligisten Esbjerg kehrte er 2022 zur Admira zurück und wechselte 2024 zur Vienna. Nach eineinhalb Jahren zog es ihn im Jänner 2026 erneut ins Ausland, zu Tarxien Rainbows nach Malta. Heute stürmt er gemeinsam mit seinem Cousin Philipp Hosiner für den FCM Traiskirchen. Somit schließt sich der Kreis unserer fünfteiligen Serie über Burgenlands Fußball-Legionäre.
Zum Abschluss ein Nachtrag: Auf einen weiteren Legionär haben uns Leserinnen und Leser aufmerksam gemacht. Der aus Güttenbach stammende Enrico Kulovits kam über den SV Oberwart 1995 zum GAK, für den er bis 2004 knapp 150 Spiele in der österreichischen Bundesliga bestritt. 2004 wagte der Mittelfeldspieler den Sprung nach Griechenland zu Skoda Xanthi, das damals als „Austro-Team“ galt. Das Abenteuer blieb kurz: Nach zwölf Ligaspielen ohne Tor kehrte er noch im selben Jahr zur Admira zurück, später spielte er auch für den SV Mattersburg.
Welche Erinnerungen habt ihr an unsere Fußball-Legionäre aus der Vergangenheit und Gegenwart? Teilt uns eure Meinung in den Kommentaren mit!
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