4.900 Vereine – Warum das Burgenland ohne Ehrenamt nicht funktionieren würde (Teil 1)

In unserer neuen Serie stellen wir das Vereinsland Burgenland und sein Ehrenamt vor. Im ersten Artikel schauen wir uns mal an, was Vereine für unser Bundesland leisten.

von Elias Hoffmann

Samstagvormittag irgendwo im Burgenland. Der Platzwart mäht den Fußballplatz für das Heimspiel am Nachmittag, der Kassier beim Sparverein bereitet die Auszahlung vor. Im Musikheim erklingen die ersten Märsche für den sonntäglichen Frühschoppen, während Mitglieder des Verschönerungsvereins Blumen am Hauptplatz einsetzen. Hinter dem Gemeindehaus bereitet der Kulturverein eine Ausstellung vor und beim Fischerverein wird schon über den nächsten Besatz diskutiert. Niemand bekommt dafür einen Lohn. Und trotzdem funktioniert es – Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr und das schon so lange, so lange es das Burgenland gibt.

Was für viele Burgenländer und Burgenländerinnen selbstverständlich ist, ist in anderen Ländern kaum denkbar. Das Burgenland ist ein Land der Vereine. Rund 4.900 Vereine und etwa 100.000 Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, prägen unser Bundesland. Das bedeutet: Hinter nahezu jedem Fest, jeder Sportveranstaltung, jedem Konzert und vielen sozialen Projekten stehen Freiwillige, die ihre Freizeit und damit unzählige ehrenamtliche Stunden investieren, damit das Dorfleben funktioniert. Vereine sind das Herz vieler Gemeinden.

Mehr als nur ein Hobby

Wer an einen Verein denkt, hat meist sofort Bilder im Kopf: Fußballspiele am Sonntagnachmittag, die Blasmusik beim Frühschoppen oder das Feuerwehrfest mit Grillhendl und Tombola. Das gehört zweifellos dazu. Doch das Vereinswesen leistet viel mehr.

Eine Anmerkung sei erlaubt: das Feuerwehrwesen wird von unserer Serie dezidiert ausgeschlossen, weil eine Freiwillige Feuerwehr eine Körperschaft öffentlichen Rechts ist.

Musikvereine bilden Kinder und Jugendliche aus. Sportvereine vermitteln Teamgeist und Fairness. Kulturvereine bewahren regionale Traditionen. Naturschutzvereine kümmern sich um unsere Landschaften und Lebensräume. Seniorenvereine schaffen Begegnungen und verhindern, dass Menschen im Alter vereinsamen. All diese Vereine haben eines gemeinsam: Sie leben vom Ehrenamt.

Das soziale Rückgrat unserer Dörfer

Gerade im Burgenland, wo es viele – im Österreichvergleich – winzige Gemeinden gibt, übernehmen Vereine eine Aufgabe, die kaum zu ersetzen wäre. Sie bringen Menschen jeglichen Alters und Geschlechts zusammen.

Hier treffen sich Generationen. Kinder lernen von Erwachsenen, Jugendliche übernehmen Verantwortung und ältere Mitglieder geben ihre Erfahrungen weiter. Im Verein spielt es oft keine Rolle, welchen Beruf jemand ausübt oder woher er kommt. Entscheidend ist, dass alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

Das schafft Zusammenhalt – etwas, das in einer Zeit zunehmender Digitalisierung und Individualisierung wichtiger geworden ist denn je. (Anmerkung: Wie ihr seht hat die KI auch schon Einzug in unsere Bilderstellung gehalten, aber keine Angst: der Text ensteht noch menschlich 😉 )

Wer schon einmal beim Aufbau eines Vereinsfestes mitgeholfen hat, weiß: Es geht dabei nicht nur um Bierbänke, Grill oder Musik. Es geht um Gemeinschaft. Um das Gefühl, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Ein Verein lebt von Menschen

Diese Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, macht das Vereinswesen so besonders und schwierig zugleich: denn viele Vereine stehen – auch ob der demografischen Entwicklung und der Dorfflucht der Jungen – vor enormen Herausforderungen. Auch diesen Aspekt werden wir in den kommenden Teilen beleuchten.

Fakt ist: bei der Vereinsarbeit gibt es keine Schlagzeilen und faktisch nichts zu gewinnen. Niemand berichtet darüber, wenn jemand stundenlang Rasen mäht, Kuchen bäckt, Lose verkauft oder den Dorfplatz sauber hält. Aber genau diese kleinen Beiträge ergeben zusammen etwas Großes. Und deshalb schaut das Burgenland – zum Teil – auch so aus wie es ausschaut.

Vereine schaffen Lebensqualität

Hier sei ein hypothetisches Beispiel angedacht: Was wäre ein Sommer ohne Feuerwehrfest (obwohl kein Verein)? Ein Advent ohne Weihnachtskonzert? Ein Dorf ohne Sportplatz oder Musikverein?

Viele Veranstaltungen, die wir als selbstverständlich ansehen, gäbe es ohne Vereine schlichtweg nicht. Sie sorgen dafür, dass Orte lebendig bleiben. Sie schaffen Begegnungen und Identität.

Auch wirtschaftlich haben Vereine eine enorme Bedeutung. Vereinsfeste bringen Besucher in die Gemeinden. Regionale Betriebe liefern Lebensmittel, Getränke oder Dienstleistungen. Gasthäuser profitieren ebenso wie Bäckereien, Fleischereien oder lokale Handwerksbetriebe. Ehrenamt schafft also nicht nur Gemeinschaft, sondern stärkt auch die regionale Wirtschaft.

Eine Tradition mit Zukunft

Das Burgenland blickt auf eine lange Vereinstradition zurück. Viele Vereine bestehen seit Jahrzehnten, manche sogar seit mehr als hundert Jahren. Sie haben Generationen begleitet und Geschichte geschrieben.

Doch sie sind keineswegs nur ein Relikt vergangener Zeiten. Auch heute entstehen neue Initiativen – vom Naturschutzprojekt über Kulturvereine bis hin zu Dorferneuerungsgruppen. Das zeigt: Vereinsleben verändert sich, aber es verschwindet nicht. Auch diesen Aspekt werden wir in der Serie – auch aus eigener Erfahrung – beleuchten: Was braucht es, um einen Verein zu gründen.

Gerade junge Menschen bringen neue Ideen ein. Sie organisieren Veranstaltungen über soziale Medien, gestalten moderne Vereinsauftritte oder entwickeln innovative Projekte. Tradition und Moderne schließen einander nicht aus – sie ergänzen sich.

Wertschätzung für das Ehrenamt

Vielleicht sollten wir uns öfter bewusst machen, was hinter einem gelungenen Vereinsfest oder einer erfolgreichen Veranstaltung steckt. Viele Stunden Planung. Sitzungen. Förderanträge. Telefonate. Einkäufe. Aufbau. Organisation. Und anschließend wieder Abbau und Reinigung.

All das geschieht freiwillig.

Oft hören wir nur dann von Vereinen, wenn ein Fest stattfindet. Viel seltener sprechen wir über jene Menschen, die das ganze Jahr im Hintergrund arbeiten. Kassiere, Schriftführer, Obmänner, Jugendbetreuer oder unzählige Helferinnen und Helfer leisten einen Beitrag, der sich kaum in Zahlen messen lässt.

Sie investieren Zeit – und schenken damit ihrer Gemeinde Lebensqualität.

Ohne Vereine wäre das Burgenland ein anderes Land

Das Burgenland ist bekannt für sein aktives Dorfleben. Doch all das entsteht nicht von selbst. Es sind Menschen, die ihre Freizeit investieren und mit Herzblut dabei sind. Sie sorgen dafür, dass Kinder Sport treiben können, Musik erklingt, Traditionen erhalten bleiben und Nachbarn einander begegnen. Vielleicht liegt genau darin der wahre Reichtum unseres Bundeslandes.

Im nächsten Teil unserer Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Warum wird es immer schwieriger, Vereinsfunktionäre zu finden? Weshalb braucht ein Obmann heute fast Managementstudium? Und wie viel Bürokratie steckt mittlerweile hinter dem Ehrenamt?

Fortsetzung folgt, bleibts dran…

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