Ins neue Jahr starten wir mit unserer Serie Insektenschutz. Diesmal betrachten wir die emsigen Honigbienen und erklären, warum ohne sie das Leben bald mal vorbei ist.

von Franz Lex
Schon Albert Einstein macht uns mit seinem Ausspruch „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ auf die wichtige Rolle der Bienen als Bestäuber aufmerksam. Nicht nur die hochsozialen Honigbienen, deren Leistungen weit über die Honigproduktion hinausgehen, sondern viele Arten von Wildbienen, Fliegen, Wespen, Käfer usw. sichern durch die Bestäubung die globale Ernährung und erhalten auch zusammen mit Säugetieren, Vögeln und anderen Wirbeltieren und wirbellosen Tieren die Artenvielfalt (Biodiversität).
Die Honigbiene (Apis mellifera) ist eine Europäerin.
Die Ur-Bienen sind in Europa weit verbreitet, bevor sie nach Asien und Nordamerika gelangen.
Vor Zuckerrohr ist Honig das einzige Süßungsmittel. In Ägypten wird in Pharaonengräbern Honig als wertvolle Grabbeigabe gefunden, der neben der Verwendung als Zahlungsmittel und für medizinische Zwecke als „Speise der Götter“ gilt.

Eine Honigbiene erfreut sich an einer blühenden Sonnenblume.
Der griechische Philosoph und Naturwissenschaftler Aristoteles (384-322 v. Chr.)
- befasst sich mit dem Leben der Bienen und ihrer Zucht,
- beschreibt die Organisation des Bienenstaates und die Kommunikation (Bienentanz) der Bienen,
- stellt fest, dass sie immer die gleichen Blüten besuchen,
- nutzt Honig für Heilzwecke (Wunden, Augenentzündungen) und
- beschreibt Honig als wertvolles Nahrungsmittel, das die Gesundheit fördert.
Karl der Große (742–814) gilt als bedeutender Förderer der Bienenzucht
Er erkennt den hohen wirtschaftlichen und strategischen Wert von Bienenprodukten für sein Reich:
- Bienenzuchtverordnung: In seiner Landgüterverordnung (um 800 n. Chr.) weist er auf seinen Krongütern an, professionelle Korbimkereien zu errichten.
- Wirtschaftliche Bedeutung: Honig ist zu dieser Zeit das einzige verfügbare Süßungsmittel. Wachs wird für die Beleuchtung (Kerzen) in Kirchen und Klöstern sowie für Siegel verwendet
- Förderung der Zeidlerei: Die Waldbienenzucht (Zeidlerei) wird unter seiner Herrschaft auch stark ausgeweitet, in der der Honig von wilden oder halbwilden Bienenvölkern in hohlen Bäumen gesammelt wird.
Durch diese Maßnahmen legt Karl der Große den Grundstein für eine strukturierte Bienenhaltung.
Neben der Waldbienenzucht, die unter der Führung der Klöster ihre Blütezeit erlebt, gibt es die Hausbienenhaltung, bei der ausgehöhlte Baumstämme und Körbe als Wohnungen für Bienen verwendet werden.

Sobald eine Pflanze zu Blühen beginnt, sind auch die Honigbienen schon zur Stelle.
Die erste Bienenschule Österreichs
Kaiserin Maria Theresia:
- erkennt die Wichtigkeit der Imkerei und
- gründet 1769 im Wiener Augarten die weltweit erste Imkerschule, die „Maria-Theresia-Bienenschule“, um
- theoretisches und praktisches Wissen zu vermitteln und
- die Bienenzucht als wichtigen Nahrungszweig zu fördern.
- Der slowenische Hofimkermeister Anton Janscha wird als erster Lehrer, Leiter und Dozent eingesetzt, der die Zargenimkerei einführt, wichtige Werke über die Bienenzucht schreibt und sie durch Befreiung von Abgaben unterstützt.
- Im Jahre 1775 erlässt Maria Theresia ein Gesetz, das die Bienenzucht von Zehenten und landesfürstlichen Abgaben befreit.
- Diese Maßnahmen ermutigen Bauern und Bürger, sich mit der Imkerei zu beschäftigen.

Die Honigwaben werden entdeckelt, damit der Honig geschleudert werden kann.
Der Bienenstock ist eine perfekt organisierte Firma
- „Arbeitslosigkeit“ ist ein Fremdwort: Alle Mitarbeiterinnen erfüllen ihre Aufgabe zum Wohle der Gemeinschaft.
- Die Kinderstuben und Vorratsspeicher aus Bienenwachs sind genial: Ohne Maurerlehre, Grundkurse, Lehrgänge oder Workshops und ohne Bauplan oder sonstige Anleitungen werden von den Arbeitsbienen die Waben sechseckig gebaut. Die sechseckige Form bietet die ideale Stabilität und das optimale Honigspeichervolumen.
Ein Bienenstock (Bienenvolk)
- beherbergt eine stark schwankende Anzahl von Bienen, die von etwa 8.000 bis 10.000 im Winter auf 40.000 bis über 60.000 im Sommer anwachsen kann, bestehend aus
- einer Königin, das einzige voll entwickelte Weibchen im Stock, das ca. fünf Jahre alt wird und im Sommer täglich bis zu 2.000 Eier legt,
- einigen tausend Drohnen und
- zigtausenden Arbeiterinnen, die je nach Jahreszeit und Bedarf mit unterschiedlich ausgebildeten Drüsen verschiedene Aufgaben erfüllen: Zellen putzen, Larven füttern, Wachs erzeugen, Waben bauen, Pollen und Nektar lagern, Honig herstellen, Wächterdienste übernehmen und als letzte Arbeit ihrer fünf bis sechs Lebenswochen Nektar und Blütenstaub sammeln. Im Herbst geborene Arbeitsbienen leben einige Monate und überwintern. Sie bilden eine Traube, in dessen Zentrum sich die Königin bei optimalen Temperaturen befindet.
Königinnen und Drohnen auf Hochzeitsreise
In der warmen Jahreszeit erfolgt die Zucht von Jungköniginnen. Die Larven werden ausschließlich mit Futtersaft (Gelee Royale) gefüttert. Eine Woche nach Abschluss der Entwicklung fliegen die jungen Königinnen zu so genannten Drohnensammelplätzen, an denen sich Drohnen und Königinnen verschiedener Völker zur Begattung treffen. So wird Inzucht vermieden.
Königinnen und Drohnen sammeln weder Nektar noch Pollen und werden von den Arbeitsbienen gefüttert. Bei Futterknappheit oder im Herbst werden die Drohnen aus dem Stock gestoßen („Drohnenschlacht“) und sterben.

Bevor eine junge Königin nach dem Hochzeitsflug wieder in den Bienenstock zurückkehrt, zieht die alte Königin mit der Hälfte des Volkes aus.

Diese Schwarmtraube mit der Königin in der Mitte wird vom Imker vorsichtig in einen Bienenkorb verfrachtet und nach einigen Tagen (der Beruhigung) in einen neuen Stock gesetzt.
„Markenprodukt“ Honig
In mühsamer Kleinarbeit sammeln Bienen Blütennektar, Pollen und Honigtau. Durch Anreicherung mit arteigenen Stoffen und der richtigen Lagerung reift das gesunde Nahrungsmittel.
Honig ist nicht gleich Honig: Es gibt viele Honigsorten mit unterschiedlicher Färbung: wie z.B. Blüten-, Akazien-, Raps-, Lindenblüten- und Waldhonig.
Waldhonig ist etwas Besonderes! Er entsteht aus „Honigtau“, den Blattläuse produzieren. Die winzigen Insekten saugen Saft aus jungen Trieben von Nadelbäumen. Da sie nur einen Teil des Saftes verdauen, wird der überflüssige Saft ausgeschieden, von Bienen gesammelt und zu würzigem, dunklem Waldhonig verarbeitet.
Honig ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
Mit dem Kauf von österreichischem Bienenhonig aus der Region
- unterstützen wir nicht nur die mühsame, interessante und verantwortungsvolle Arbeit unserer Imker,
- sondern gewährleisten die Bestäubung blühender Bäume, Sträucher und Pflanzen im Garten, in der offenen Landschaft und im Wald und
- schaffen die Voraussetzungen für
- den Erhalt der Artenvielfalt und
- eine reiche Ernte (Obst, Gemüse, Gewürz- und Heilkräuter).
Bienenzucht und Anbau von Kulturen stehen untrennbar miteinander in Verbindung
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Spritzmittel und der Einsatz von naturschonenden Maschinen
- schützen nicht nur Bienen, sondern alle Tiere,
- Boden, Grundwasser, Bäche und Flüsse,
- Pflanzen und
- Menschen.

Eine Honigbiene befruchtet eine Apfelblüte.
Blüten von Gänseblümchen, Primeln, Schneeglöckchen und Weiden (Palmkätzchen) sind die ersten Nahrungsquellen, weshalb man das Abbrechen von Palmzweigen in Grenzen halten sollte.

Eine Honigbiene im Anflug auf ein Palmkätzchen.
Honig ist nicht das einzige Produkt
Auch Produkte wie Bienengift, Pollen, Gelée royale, Propolis und Wachs werden dem Bienenstock entnommen und verschieden verarbeitet und eingesetzt.
Wichtige Tipps:
Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums
Sofern Honig ideal gelagert und nicht durch Wärme beeinträchtigt wird, ist der Verzehr auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums unbedenklich. Unter optimalen Lagerbedingungen ist Honig praktisch unbegrenzt haltbar.
Kristallisation im Honig
Kristallisation oder Blütenbildung im Honig ist ein natürlicher Prozess, bei dem Zucker im Honig kristallisiert. Durch Erwärmen kann die Kristallisation bei ca. 40 Grad Celsius rückgängig gemacht werden, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.
Phasentrennung von Honig
bezieht sich auf ein natürliches Phänomen, bei dem sich Honig in zwei Schichten aufteilt: eine obere, flüssige Schicht und eine untere, festere Schicht. Durch einfaches Umrühren kann Honig wieder homogenisiert werden.
Angabe des Herkunftslandes bzw. der Herkunftsländer bei Honig
Ab dem 14. Juni 2026 gelten die mit der Richtlinie (EU) 2024/1438 eingeführten Vorschriften. Statt der Angabe „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ muss das Herkunftsland bzw. müssen Herkunftsländer in absteigender Reihenfolge (Prozentsatz des Ursprungs bei Mischungen) auf dem Etikett angegeben werden.
Albert Einstein
Keine Bienen mehr,
keine Bestäubung mehr,
keine Pflanzen mehr,
keine Tiere mehr,
keine Menschen mehr.
Als Abschluss gibt´s ein Rezept für´s Frühstück
Butterbrot mit Honig aus der Region!

Hier kommt der Honig ganz frisch aus der Schleuder.
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