In Teil 4 unserer Serie beschäftigen wir uns mit einem „Exoten“ in unseren Breitengraden, der das einzige heimische Wildtier ist, das vom Nacken bis zum Schwanz Stacheln trägt: dem Igel!

von Franz Lex
Im Burgenland kommen zwei Arten vor: der Braunbrustigel (Westigel) und der Weißbrustigel (Ostigel), deren Verbreitungsgebiete sich im Burgenland überschneiden. Vom Weißbrustigel gibt es noch einige Unterarten. Um das Ganze nicht zu kompliziert zu machen, bleibe ich im folgenden Text bei der Bezeichnung „Igel“!
Igel leben als Einzelgänger
Der Igel gehört erdgeschichtlich zu den ältesten Säugetierarten. Ihre Vorfahren tauchen durch fossile Funde belegt kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier vor etwa 60 Millionen Jahren auf. Die heutige Form der Stacheligel (Echte Igel, Kurzohrigel) entwickelt sich vor ca. 37 Millionen Jahren. Der zur Ordnung der Insektenfresser zählende Igel wird durchschnittlich vier Jahre alt und ist mit sehr guten Hör- und Geruchssinnen ausgestattet. Das Sehvermögen ist weniger gut ausgebildet.
Igel sind nicht wählerisch
Igel ernähren sich von Insekten und deren Larven und Raupen, Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Regenwürmern und Schnecken. Neben den wirbellosen fressen sie auch kleine Wirbeltiere wie Frösche, Kröten, Eidechsen, Schlangen, Vogeleier, Jungvögel und junge und kranke Kleinsäuger. Kurzum: Alles, was sie überwältigen können, wird vertilgt. Sie verschmähen auch Aas und Beerenfrüchte nicht. Außerdem sind Igel sehr giftresistent und verzehren auch Ölkäfer und Kreuzottern.
Stacheln sind verhornte Haare
Ein ausgewachsener Igel trägt in seiner „Schutzdecke“ ca. 8000 hohle und extrem stabile aus Keratin bestehende Stacheln (verhornte Haare), dem gleichen Material wie unsere Haare und Fingernägel. Kopf und Unterseite sind mit Haaren bedeckt. Die jeweils mit einem Muskel ausgestatteten Stacheln wachsen wie die Haare immer wieder nach. Igelbabys kommen mit weichen Erstlingsstacheln zur Welt, die zum Schutz bei der Geburt noch in die Schutzdecke eingebettet sind.
Stacheln dienen nur der Verteidigung
Bei Gefahr kann der Igel jeden Stachel einzeln aufstellen und sich mithilfe spezieller Muskeln innerhalb von Sekunden zu einer Kugel zusammenrollen. Der äußere Rand der Schutzdecke ist – wie bei einem Spannleintuch – mit einem elastischen Ring- oder Schließmuskel versehen, der, nachdem Kopf und Beine eingezogen sind, die stachelige Kugel bis auf eine kleine Öffnung verschließt.
Gegen Dachs und Uhu ist kein Stachel gewachsen
Der Dachs steckt seine Schnauze in die kleine, verbleibende Öffnung an der Bauchseite des zusammengerollten Igels und „bricht“ ihn mit den starken Pfoten und den scharfen Krallen gewaltsam auf.
Die langen scharfen Krallen des Uhus durchdringen die Stacheldecke ohne Probleme, wodurch Igel regelrecht erdolcht werden, wobei die Krallen Stichverletzungen an den lebenswichtigen Organen verursachen und durch innere Blutungen alsbald der Tod eintritt. Gelegentlich werden Igel auch vom Habicht erdolcht, aber sie zählen nicht zu den Hauptbeutetieren, die meistens aus Vögeln und anderen kleinen Säugetieren bestehen.
Junge und kranke Igel fallen Füchsen, Mardern, Wildschweinen, freilaufenden Hunden und verwilderten und freilaufenden Katzen, Ratten und Rabenvögel zum Opfer.
Der größte Feind des Igels ist der Mensch!
Was in 60 Millionen Jahren nicht geschafft wird, schaffen wir innerhalb von einem Jahrzehnt: Obwohl Igel im Burgenland weit verbreitet sind, gehen die Populationen zurück! Der Bestand ist in den letzten zehn Jahren schätzungsweise um bis zu 50 % gesunken.
Hauptursachen sind
der Straßenverkehr,
- Sein eigener Schutzmechanismus wird dem Igel zum Verhängnis. Nähert sich dem Igel auf der Straße, die er überquert oder unter der Straßenlampe, wo er vom Licht angelockte Insekten aufsammelt, ein Auto, fühlt er sich bedroht, rollt sich zusammen und wird überfahren. Leider stehen in vielen burgenländischen Gemeinden immer noch Straßenlampen und keine Gehsteiglampen. Der Autofahrer braucht die Beleuchtung der Fahrbahn nicht!
- Durch Straßenbauten werden oft weitreichende Igelpopulationen getrennt. Die Folge sind Verinselungen, Krankheiten und Inzucht.
der Verlust von Lebensräumen
als Nahrungsquellen und Überwinterungsquartiere und
- Landauf und landab werden im Burgenland von der öffentlichen Hand (Land und Gemeinden) und teilweise auch von den Bewirtschaftern der angrenzenden Monokulturen Fluss- und Bachböschungen gerodet und fast flächendeckend gehäckselt. Somit werden nicht nur ideale Lebensräume der Igel, sondern auch gleich die Igel und deren Nachwuchs (zwei Würfe pro Jahr mit vier bis sieben Jungen), deren Nahrung (Insekten, Reptilien, Amphibien, Schnecken, Kleinsäuger) und Winterquartiere

Aufgrund von regelmäßigen Abholzungen und Kahlschlägen und ständigem Häckseln der Ufervegetation auf den Flussböschungen der Raab durch Bedienstete des Landes werden ideale Lebensräume für Igel, Insekten, Spinnen, Amphibien, Reptilien, Kleinsäugetiere, Hoch- und Niederwild, Vögel usw. schon seit vielen Jahren zerstört.
- Noch im Spätherbst werden von der öffentlichen Hand, wenn die Vegetation das Wachstum einstellt und die Igel noch unterwegs sind, um ihre Fettreserven für den Winterschlaf, der von November bis März/April dauert, aufzubessern, als krönender Abschluss Güterwege- und Straßenböschungen und Waldränder gehäckselt und alle Tiere in der Vegetation faschiert.

Vom bgld. Energieversorgungsunternehmen werden alljährlich im Winter die Winterquartiere und Lebensräume (meist Brombeerhecken mit Stauden, die sich im Laufe des Jahres Entwickeln) von Igel, Haselmaus und anderen Kleinsäugern bis auf die Grasnarbe gerodet und die Tiere im Winterschlaf unwissend gestört bzw. vernichtet.
der Einsatz von Rasenmähgeräten und
- Rasenmähgeräte sollen in einem Hausgarten – wenn überhaupt – nur auf kleinen Flächen zum Einsatz kommen. Rasenroboter sollen abends oder in der Nacht nicht verwendet werden, da Igel, ihre Jungen und viele andere Tiere nachtaktiv sind.
Spritzmitteln.
- In der Landwirtschaft (Monokulturen) ist eine verantwortungsvolle Verwendung (Tageszeit, Witterung, Dosierung, Menge) von Spritzmitteln oberstes Gebot.
- Im Hausgarten haben Spritzmittel und Schneckenkorn nichts verloren, da sie auch die Nützlinge und andere Schnecken töten, denn die Natur hat mit Gegenspielern vorgesorgt, die die Schädlinge nicht ausrotten, aber in Schach halten. Schnecken sind eine Delikatesse für Igel!
- Einige Ausnahmen sind invasive Arten, wie der Kartoffelkäfer (Amerika), die Grüne Reiswanze (Afrika) und die Marmorierte Baumwanze (Asien), die kaum bzw. keine natürlichen Feinde haben und in einem Behälter gesammelt, mit einer glatten Schuhsohle zertreten und auf dem Komposthaufen entsorgt werden und die Spanische Wegschnecke, die in Behälter gesammelt und mit siedendem Wasser getötet werden. Nach dem Auskühlen muss der Schneckenschlatz unbedingt im Komposthaufen vergraben und mit trockener Erde gebunden werden, denn einige Fliegen- und Schmetterlingsarten werden vom verwesenden Geruch angelockt und gehen auf der klebrigen Masse elendig zugrunde.
Igel sind nützliche Zeitgenossen und naturschutzrechtlich geschützt
Igel bevorzugen als Lebensraum, Jagdrevier und Winterquartier naturnahe Gärten mit Totholzhecken, Waldrändern, Gebüschen, Hecken, Bach- und Flussböschungen, Laubwälder, dichtes Gehölz und strukturreiche Landschaften.

Über 10 Meter breiter „schön“ gepflegter Feldweg.
Naturbelassene Flussböschungen
können einen attraktiven Lebensraum für Igel darstellen. Dichte Ufervegetation, Sträucher, dichter und zusammenhängender Himbeer- und Brombeerbewuchs, Laubbäume, Staudengewächse, hohes Gras, Laub- und Reisighaufen und Totholz sind reich an Insekten, Larven, Würmern und Schnecken und bieten Igel ideale Rückzugsmöglichkeiten zum Schlafen am Tag und im Winter und zur Aufzucht der Jungen.
Uferbegleitstreifen
wären auch ideale Lebensräume für Igel und viele andere Tiere. Leider werden die sich im Laufe der warmen Jahreszeit bildende Vegetation und die angesiedelten Tiere mit Häckselgeräten im Sommer bzw. Herbst vernichtet.

Durch die intensive Landwirtschaft und den Anbau von Monokulturen hat auch der Igel mit dem Verlust von Lebensraum zu kämpfen.
Wie kann ein Hausgarten zum idealen Lebensraum für Igel werden, damit sich u.a. auch Insekten, ihre Hauptnahrung, wohlfühlen?
- Löcher im Zaum
- Verzicht auf Pestizide, Schneckenkorn und Kunstdünger
- Pflanzen von heimischen Bäumen, Sträuchern und Stauden statt Kirschlorbeer
- dichtes Strauchwerk, Hecken, hohes Gras, Totholzhecke, Laubhaufen
- hohes Gras nicht auf einmal, sondern in Teilflächen über das Jahr verteilt naturschonend ab Juli mähen (Sichel, Sense)
- einen Teil des hohen Grases über den Winter stehen lassen
- eine flache Wasserstelle
- offene Kellerschächte und Löcher abdecken
- Unterschlupf für Ruhezeit am Tag, Winterquartier und Nistplätze: hohler Baumstumpf unter einem Strauch
In Österreich sind Igel auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten als gefährdet eingestuft.
Wenn Sie einen kranken oder verletzten Igel finden, wenden Sie sich an Tierärzte oder spezialisierte Igel- oder Tierauffangstationen.
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