Neben Dietmar Kühbauer und Martin Stranzl blickt auch Andreas Ivanschitz auf eine imposante Auslandskarriere zurück. In dieser Periode war das einstige „Jahrhunderttalent“ bei weitem nicht der einzige Burgenländer, der als Fußball-Legionär sein Geld verdiente.
Von Clemens Faustenhammer
In den bisherigen Teilen dieser Serie über die Fußball-Exportschlager aus unserem Heimatbundesland erzählten wir über den Pionier Karl Skerlan, der wohl als erster Burgenländer außerhalb Österreichs Grenzen dem runden Leder nachjagte. Nachdem Thomas Parits in Deutschland und Spanien sehr erfolgreich ballesterte, dauerte es mehr als zwei Jahrzehnte, ehe zwei Burgenländer im Ausland wieder auf sich aufmerksam machten. Über die Karriere von Dietmar „Didi“ Kühbauer berichteten wir in Teil 2. Ein ausführliches Interview mit Martin Stranzl über seine Zeit in Deutschland und Russland sowie die „Karriere danach“ liest ihr im dritten Teil dieser Serie.
Jahrhunderttalent und ÖFB-Rekord
Mitte der 2000er-Jahre setzte ein österreichisches „Jahrhunderttalent“ seine ersten Schritte einer lange andauernden Auslandskarriere bei jenem Verein, der ironischerweise eine Fanfreundschaft mit seinem Ausbildungsverein pflegte. Also ausgerechnet dort, wo der damals 22-Jährige – gelinde gesagt – zur „Persona non grata“ erklärt wurde… doch alles der Reihe nach.
Andreas Ivanschitz, geboren am 15. Oktober 1983 in Eisenstadt, begann seine fußballerische Laufbahn beim ASK Baumgarten, wo er offensichtlich als junger Spieler bereits sein außergewöhnliches Talent unter Beweis stellte. Mit 14 Jahren wechselte er im Februar 1998 in die Jugendabteilung des SK Rapid Wien – ein Schritt, der nicht nur seine sportliche Zukunft, sondern auch sein Leben grundlegend verändern sollte.
Bei Rapid gelang dem burgenlandkroatischen Ausnahmetalent ein Aufstieg, der einstweilen in den Medien als „kometenhaft“ beschrieben wird. Am 26. Oktober 1999 feierte er im zarten Alter von 16 Jahren sein Debüt für die Kampfmannschaft im Cup gegen Ranshofen, womit er zum jüngsten Spieler wurde, der jemals in einem Pflichtspiel für die Grün-Weißen auflief. Dass der österreichische Rekordmeister ein blamables Cup-Aus gegen den oberösterreichischen Viertligisten hinnehmen musste, kann ebenso als historisch eingeordnet werden. In jedem Fall folgte das Bundesliga-Debüt von Ivanschitz am 20. Mai 2000 gegen den SV Austria Salzburg. Schon bald entwickelte sich das Talent zu einem der prägenden Spieler der Hütteldorfer. Mit Sicherheit lässt sich als Höhepunkt seiner Zeit bei Rapid der Meistertitel in der Saison 2004/05 sowie die Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Champions League im Herbst 2005 hervorheben.
Parallel zu seinem Vereinserfolg begann auch seine beeindruckende Nationalteam-Karriere. Im März 2003 gab Ivanschitz unter Teamchef Hans Krankl sein Debüt für die österreichische Nationalmannschaft gegen Griechenland. Noch bemerkenswerter war, dass er bereits am 11. Oktober 2003 im EM-Qualifikationsspiel gegen die Tschechische Republik zum ersten Mal die Kapitänsschleife trug. Damit ist Ivanschitz nach wie vor mit 19 Jahren der jüngste Nationalteamkapitän der Nachkriegsgeschichte. Diese Rolle sollte er bis 2009 innehaben und führte Österreich auch bei der letztlich enttäuschenden Heim-Europameisterschaft 2008 als Kapitän aufs Feld.
Die Zäsur: Von Wien nach Salzburg
Der 9. Januar 2006 stellt eine Zäsur in seiner noch jungen Karriere dar. Ivanschitz vollzog einen Wechsel, der seine Beziehung zu den Rapid-Fans nachhaltig belasten sollte: Er unterschrieb bei zum „Klassenfeind“ stilisierten Red Bull Salzburg. Dieser Transfer zum direkten Konkurrenten um die Meisterschaft und „Nachfolgerklub“ der traditionsreichen Salzburger Austria wurde von vielen Rapid-Anhängern schlichtweg als Verrat empfunden. Rapid erhielt für den umstrittenen Transfer eine Ablösesumme von 4 Millionen Euro von Red Bull Salzburg, was zu dieser Zeit eine beträchtliche Summe darstellte. Dank der lukrierten Millionen durch die Teilnahme an der Champions League waren die Wiener nicht in einer existenziellen finanziellen Notlage, die einen Verkauf zwingend erforderlich gemacht hätte. Der ehemalige Rapid-Präsident Rudolf Edlinger betonte sogar öffentlich, dass bei Rapid das Geld momentan eine Nebenrolle spielen würde und der stolze Hauptstadtklub kein Sparverein sei. Deshalb machte der mittlerweile verstorbene Ex-Politiker auch in den Medien deutlich, dass er den Verkauf aus sportlichen Gründen kategorisch ablehnte.
Da war die Milch bereits verschüttet. Der offen zur Schau getragene Unmut war dermaßen groß, dass Ivanschitz von den Fans oft als „Judaschitz“ tituliert wurde. Unvergesslich sind die unrühmlichen Ereignisse während eines freundschaftlichen Länderspiels gegen Schottland 2007 im ehemaligen Gerhard-Hanappi-Stadion, als der ÖFB-Kapitän verbal massiv angegriffen wurde. Da stand Ivanschitz bereits bei Panathinaikos Athen unter Vertrag, denn sportlich konnte er sich in Salzburg nicht durchsetzen und verließ den Klub bereits nach einem halben Jahr wieder.
Der Coup in der US Major Soccer League
Es folgten mehrere Stationen im Ausland, die seine Klasse auf internationaler Ebene unter Beweis stellten. Wie erwähnt führte ihn sein Weg zunächst nach Griechenland, bevor er in Deutschland bei Mainz 05 eine besonders erfolgreiche Phase erlebte. In vier Jahren absolvierte er über 100 Spiele unter Trainer Thomas Tuchel, heutiger Teamcoach der englischen Nationalmannschaft, und entwickelte sich zu einem Leistungsträger in der Bundesliga. Weitere Stationen waren UD Levante in Spanien, wo er die Gelegenheit hatte, in der Primera División gegen Weltstars wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo anzutreten.
2015 wagte Ivanschitz den Sprung über den Atlantik zu den Seattle Sounders in die Major League Soccer, wo er 2016 einen besonderen Triumph feiern konnte: Nach einem torlosen Finale gegen Toronto FC traf er im Elfmeterschießen und sicherte seinem Team damit den MLS-Cup-Titel. Seine letzte Station als Profi war Viktoria Pilsen in Tschechien, mit der er 2018 die tschechische Meisterschaft gewann. Nach Auslaufen seines Vertrags beendete er im November 2018 seine aktive Karriere. Für Österreich bestritt Andreas Ivanschitz insgesamt 69 Länderspiele und erzielte dabei zwölf Tore.
Neben seiner Rolle als Privatinvestor bei unterschiedlichen Startups, war Ivanschitz für fünf Jahre beim Traditionsklub First Vienna FC engagiert. Zunächst als Ausbildungsmanager trat der heute 42-Jährige die Nachfolge von Markus Katzer als Sportdirektor der Döblinger an. Im November 2025 beendete der Verein nach einer durchwachsenen Herbstsaison die Zusammenarbeit. Zum Abschluss ein Kuriosum: Ivanschitz war als erster Österreicher auf dem Cover des Videospiels FIFA 08 von EA Sports abgebildet.
Von Everton bis nach Litauen
Neben Andreas Ivanschitz haben auch weitere burgenländische Fußballspieler ihr Glück im Ausland versucht und in der Phase ab Mitte der 2000er-Jahre zum Teil auch beachtliche Erfolge gefeiert. Der aus Hirm stammende Thomas Mandl wechselte 2004 vom SK Sturm Graz zum damaligen Schweizer Serienmeister FC Basel, wo er u.a. zusammen mit dem späteren kroatischen Nationalteamspieler und Barcelona-Primgeiger Ivan Rakitic spielte. Seine Schweizer Station war jedoch nur von kurzer Dauer, bevor er 2006 eine eher „exotische“ Episode beim sardinischen Klub Nuorese Calcio erlebte. Immerhin handelt es sich beim heutigen Viertligisten um den Heimatklub von Chelsea-Legende Gianfranco Zola. Nach seiner Rückkehr spielte Mandl noch für gut zehn Jahre in Österreich, u.a. für den LASK in der Bundesliga.
Der Illmitzer Christian Gartner wagte über die Fußballakademie Burgenland und dem SV Mattersburg 2013 mit 19 Jahren den Sprung nach Deutschland zu Fortuna Düsseldorf in die 2. Bundesliga. Nach vier Jahren beim Traditionsverein, die allerdings von Verletzungen überschattet waren, wechselte er 2018 zum MSV Duisburg und absolvierte später noch – nach einem Intermezzo bei Admira Wacker – eine Station bei Alemannia Aachen in der deutschen vierten Liga.
Ein sprichwörtlich einmaliges Erlebnis sammelte der aus dem Bezirk Güssing stammende Michael Miksits. Bei der Spielvereinigung Unterhaching kam der Stürmer allerdings nur zu einer einzigen Einwechslung in der deutschen 2. Bundesliga. Ebenso im Ausland verdiente der Südburgenländer Patrick Farkas nach vielen Jahren beim SV Mattersburg und bei Red Bull Salzburg sein Geld, als er zum Schweizer Cupsieger FC Luzern wechselte. Das Abenteuer war von kurzer Dauer, denn der grundsolide Abwehrspieler, der sämtliche Jugendnationalauswahlen Österreichs durchlief, kehrte bereits nach einem halben Jahr wieder nach Österreich zum TSV Hartberg zurück. Mittlerweile spielt Farkas wieder bei seinem Jugendklub ASK Oberdorf in der 2. Liga Süd.
Abschließend sei auf die folgenden vier Fußballer verwiesen: Thomas Salamon, geboren in Mattersburg, verschlug es für eine Saison zum litauischen Klub FK Sūduva, während Lukas Rotpuller aus Eisenstadt 2018 zum spanischen Zweitligisten Real Valladolid wechselte, mit dem er zwar den Aufstieg in die Primera División schaffte, aber bedauerlicherweise ohne einen einzigen Einsatz den Verein wieder verlassen musste. Erfahrungen im Ausland machte der Neuberger Georg Krenn schon sehr früh in seiner Karriere. Aus der Nachwuchsakademie der Admira wechselte der Ex-Profi nach Liverpool zum FC Everton. Bei den Toffees kam der Mittelfeldspieler vorwiegend in der U-18- und in der U-19-Mannschaft zum Einsatz. In Ermangelung an potenziellen Einsatzzeiten bei den Profis wechselte Krenn zum damaligen Bundesligisten SV Kapfenberg in die Obersteiermark. Mario Sara hingegen verbrachte fünf erfolgreiche Jahre beim FC Vaduz in Liechtenstein. Der gebürtige Wiener wohnt heute in Hornstein am Neufelder See und fungiert beim lokalen Fußballverein aus dem Nordburgenland als Co-Trainer.
Für den nächsten Teil planen wir die Portrait-Serie über Fußball-Legionäre aus dem Burgenland respektive mit Bezug zum pannonischen Fußball fortzusetzen. Eventuell gelingt uns wieder ein Interview. Seid gespannt!
Welche Erinnerungen habt ihr an unsere Fußball-Legionäre aus der Vergangenheit und Gegenwart? Teilt uns eure Meinung in den Kommentaren mit!
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